8. Fachtagung Kulturgeragogik – Take care! Kulturgeragogik für eine neue Kultur der Sorge und Pflege
© Patrick Baldwin
Ein zentrales Anliegen der Kulturgeragogik ist es, Angebote zu entwickeln, die speziell Menschen in gesundheitlich vulnerablen Situationen ansprechen – zum Beispiel ein Kunstatelier für Menschen mit Demenz oder ein Tanzangebot für Menschen mit verminderter Beweglichkeit. Dazu ist die Zusammenarbeit mit dem Care-Sektor unabdingbar. Dort sind jedoch bereits seit Jahren Krisen und Versorgungslücken bekannt – was die kulturelle Teilhabe pflegebedürftiger älterer Menschen behindert. Denn: Steht die Pflege derart unter Druck, erscheint die kulturgeragogische Arbeit schnell als überflüssiges Beiwerk. Andere erkennen gerade in dieser Situation, wie die Kulturgeragogik zur Stärkung des Wohlbefindens und Miteinanders von Pflegebedürftigen, Pflegenden und Angehörigen beitragen kann.
Der Fachtag thematisiert Ambivalenzen der Sorge um das Alter(n) aus anthropologischer, sozialpolitischer und künstlerisch-kulturgeragogischer Perspektive:
- Was verstehen Kulturgeragog*innen unter einer gelingenden Care-Kultur?
- Was kann die Kulturelle Bildung im Alter zu einer neuen Kultur der Sorge und Pflege beitragen?
- Welchen Beitrag kann und will die Kulturgeragogik zum Pflegesystem leisten, wo grenzt sie sich ab?
- Welche Aufgaben übernehmen Kulturgeragog*innen im Rahmen von „Sorgenden Gemeinschaften“ im Sozialraum?
In Workshops werden erfolgreiche Beispiele kulturgeragogischer Praxis vorgestellt, die Mut machen, gemeinsam eine neue Kultur der Sorge und Pflege zu entwickeln. Die Keynote hält der Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt, der aus anthropologischer und sozialpolitischer Perspektive über den Begriff der Sorge und die Entwicklung einer neuen Care-Kultur sprechen wird.
Fachliche Leitung: Almuth Fricke und Dr.in Miriam Haller, kubia
Ort: Die Tagung findet im Saal des jfc Medienzentrums im Seekabelhaus in Köln-Nippes statt. Im selben Gebäude befindet sich das kubia-Büro. Hier finden Sie Informationen zur Anreise. Nutzen Sie gerne den Dienst „Fahrpool“, um Mitfahrgelegenheiten für Ihre Anreise zu organisieren.
Programm
10:00 Uhr |
Anmeldung und Empfangskaffee |
10:30 Uhr |
Grußwort Claudia Determann, Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (angefragt) Der Begriff der Sorge und die Entwicklung einer neuen Care-Kultur: Anthropologische und sozialpolitische Perspektiven Vortrag von Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt, Universität zu Köln
Die Sorge gehört zum Wesen der menschlichen Existenz als Daseinsführung. Zugleich gibt es die Formen der Sorge des Menschen zwischen Selbstbezug und Weltbezug immer nur im konkreten geschichtlichen Kontext der Gesellschaft. Der Vortrag schlüsselt die sozialpolitischen Diskurse über Selbst-Sorge, Mit-Sorge und Fremd-Sorge auf und entwickelt die Idee der solidarischen Freiheit als Miteinanderfreiheit in Miteinanderverantwortung.
|
11:30 Uhr |
Film „Tanztee & Prosecco“ |
11:40 Uhr |
Kunst mit uns – gemeinsam kreativ: Städtisches Engagement für Kulturelle Bildung in Pflegeeinrichtungen Impuls von Gundula Iblher und Barbara Scharfenberg, Landeshauptstadt München
Gemeinsam mit dem Sozialreferat, Amt für Soziale Sicherung, Altenhilfe und Pflege, bringt das Kulturreferat der Stadt München künstlerische Workshops in vollstationäre Pflegeeinrichtungen. Das Tandemprojekt bringt nicht nur zwei Ämter in Zusammenarbeit, sondern auch Künstler*innen und Mitarbeitende von Pflegeeinrichtungen. Von den Potenzialen und Hürden dieses Projekts berichten die beiden städtischen Kooperationspartnerinnen.
|
12:10 Uhr |
Augenblicke poetischer Schönheit Ein Gespräch mit Christine Vogt, Gründerin und künstlerische Leiterin des Theaterensembles PAPILLONS im Berliner Pflegewohnheim „Am Kreuzberg“
Christine Vogt, Regisseurin für inklusives Theater und Theaterwissenschaftlerin, leitet seit zehn Jahren das Ensemble PAPILLONS. Jedes Jahr erarbeitet sie mit den Bewohnenden mit und ohne Demenz gemeinsam mit Kindern, Jugendlichen und professionellen Künstler*innen ein bis zwei Theaterproduktionen. Die Theaterarbeit ist fester Bestandteil im Alltag des Berliner Pflegewohnheims und sorgt für große Außenwirkung.
Moderation: Dr. in Jessica Höhn, Theaterwissenschaftlerin und Theaterpädagogin |
12:40 Uhr |
Präsentation der Workshops am Nachmittag |
12:45 Uhr |
Mittagessen |
13.45 Uhr |
Workshops Workshop 1: Theaterarbeit im Pflegeheim Christine Vogt, grenzbereiche-theater Berlin
In dem Workshop gibt Christine Vogt methodische Impulse zur Theaterarbeit mit Menschen mit Demenz sowie praktische Hinweise, wie Theaterarbeit in Pflegeeinrichtungen gelingen kann.
Ort: Saal EG Workshop 2: How do you care? Bürger*innenOper und partizipative Methoden für eine neue Care-Kultur Dany Handschuh, Oper Dortmund
In der Dortmunder Bürger*innenOper spielen über 100 Aktive, darunter viele Ältere. In der Spielzeit 2024/2025 entwickelt das Ensemble mit „Who Cares?“ aus persönlichen Erfahrungen ein vielstimmiges Musiktheater der Fürsorge. Zwischen Mythos und Gegenwart, individueller Geschichte und kollektiver Vision ist ein Stück entstanden, das fragt: Wie wollen wir füreinander da sein? Dramaturgin Dany Handschuh gibt in dem Workshop Einblick in die Entstehung der Produktion und stellt Methoden ihrer Arbeit zum Thema Care vor.
Ort: Seminarraum 1. OG Workshop 3: Profession Kulturgeragogik trifft auf Pflege Dorothea Wiggenhauser und Dr.in Miriam Haller
Dorothea Wiggenhauser berichtet über ihre Freiberuflichkeit als Kunst- und Musikgeragogin und ihre Erfahrungen mit der Kundenakquise, Honorarverhandlungen und Vertragsvereinbarungen. Im Anschluss schärfen die Teilnehmenden des Workshops das eigene Profil und Portfolio als Kulturgeragog*innen.
Ort: Open Space, kubia-Büro, 2. OG |
15:45 Uhr |
Gemeinsamer Abschluss |
16:00 Uhr |
Tagungsende |
Infos zur barrierefreien Teilnahme
Veranstalter und Kooperationspartner
Kompetenzzentrum für Kulturelle Bildung im Alter und inklusive Kultur
Fachverband Kunst- und Kulturgeragogik
Das Kulturgetriebe e. V. / Kölner Institut für Kulturarbeit und Weiterbildung