Kein Mittel zum Zweck. Warum wir Kulturelle Bildung stärken müssen – Fachtagung des Kulturrat NRW: Nachdenken über Qualitäten #3
© Carola Tsitovich | Im Malraum von Stroetmanns Fabrik in Emsdetten ermöglicht die Künstlerin Carola Tsitovich eine intergenerationelle Kunstbegegnung
Bereits zum dritten Mal widmet sich der Kulturrat NRW dem Thema „Qualitäten“ in der Kulturellen Bildung: Auf der ersten Fachtagung im Jahr 2023 zu „Qualitätsdimensionen Kultureller Bildung“ folgte 2024 eine Fachtagung zu „Sektoren- und ressortübergreifender Zusammenarbeit in der Kulturellen Bildung“. Die Fachtagung 2026 nimmt nun Kulturelle Bildung im Spannungsfeld von Eigenwert und Verzweckung sowie die spezifische Rolle der Künstler*innen in den Blick.
Kulturelle Bildung bedeutet, Menschen Zugänge zu Kunst und Kultur zu eröffnen – als Möglichkeit der ästhetischen Erfahrung, des eigenen Ausdrucks und der Auseinandersetzung mit sich selbst und der Gesellschaft. Sie fördert Wahrnehmung, Kreativität und kritisches Denken und unterstützt Menschen dabei, ihre eigene Position in einer vielfältigen Gesellschaft zu finden. Sie stellt einen Wert an sich dar.
Künstler*innen spielen in der kulturellen Bildung eine zentrale Rolle. Durch ihre künstlerische Praxis, ihre Perspektiven und ihre Offenheit für Experimente schaffen sie Erfahrungsräume, die sich von anderen Bildungsformaten unterscheiden. Sie laden dazu ein, anders zu denken, zu fühlen und zu handeln, und machen Kunst als lebendigen Prozess erfahrbar. Ohne Künstler*innen verliert kulturelle Bildung ihren spezifischen Kern: die unmittelbare Begegnung mit künstlerischem Denken und Gestalten.
Künstlerische Freiheit und die Anforderungen Kultureller Bildung lassen sich grundsätzlich vereinbaren, stehen jedoch in einem produktiven Spannungsverhältnis. Kulturelle Bildung braucht Kunst nicht nur als Mittel zum Zweck, sondern als eigenständige Praxis mit offenem Ausgang. Gerade die künstlerische Freiheit – das Nicht-Planbare, das Irritierende, das Zweckfreie – ist ihr besonderer Wert.
Aus der Perspektive von Künstler*innen ist das Verhältnis von künstlerischer Freiheit und kultureller Bildung oft von Ambivalenzen geprägt. Kulturelle Bildung eröffnet wichtige Arbeitsfelder, Begegnungen und Räume für künstlerische Praxis. Gleichzeitig entstehen Spannungen dort, wo künstlerisches Arbeiten an pädagogische, soziale oder politische Zielvorgaben gebunden wird. In solchen Kontexten besteht die Gefahr, dass Kunst funktionalisiert wird und ihre Eigenständigkeit verliert. Der künstlerische Prozess wird dann zum Mittel, nicht mehr zum Zweck. Dort, wo Offenheit für Prozesse, Scheitern und Uneindeutigkeit zugelassen sind, kann künstlerische Freiheit erhalten bleiben. Bildung entsteht hier nicht trotz, sondern gerade durch die künstlerische Praxis.
Eingeladen sind Künstler*innen mit Engagement in bzw. Interesse an Kultureller Bildung, Kulturvermittelnde, Vertreter*innen von Kommunen und Kulturverwaltungen sowie Forschende in der Kulturellen Bildung.
Programm
Impuls
Künste und Kulturelle Bildung – (Un-)erwartete Wechselwirkungen
Prof. Dr. Frank Jebe, Hochschule Niederrhein
Workshops
- Arbeitsbedingungen in der Kulturellen Bildung
- Awareness in künstlerisch-kulturellen Kontexten
- Was macht die Kunst (aus) – in der Kulturellen Bildung?
- Kulturelle Bildung im Spannungsfeld zwischen Kunstvermittlung und Sozialarbeit
Panel
Mehr-Wert? Künstler*innen in der Kulturellen Bildung
Moderation: Margrit Lichtschlag
Infos zur barrierefreien Teilnahme
Veranstalter, Partner und Förderer
Kulturrat NRW e. V.
Kunstmuseum Bochum
Stadt Bochum
Kompetenzzentrum für Kulturelle Bildung im Alter und inklusive Kultur (kubia)
Deutscher Tonkünstlerverband NRW
Eine Veranstaltung des Kulturrats NRW in Kooperation mit dem Kunstmuseum Bochum, gefördert von der Stadt Bochum, dem Kompetenzzentrum für Kulturelle Bildung im Alter und inklusive Kultur (kubia) und dem Deutschen Tonkünstlerverband e. V.