Figaros Stimmen – Eine Wandeloper frei nach Mozarts Le nozze di Figaro
© Lennon Holder
Beaumarchais schrieb 1778 ein Stück, in dem ein Diener seinem Herrn überlegen ist. Ludwig XVI. ließ es verbieten. 1786 machte Mozart eine Oper daraus, und was auf der Bühne nicht gesagt werden durfte, wurde gesungen.
240 Jahre später spielt die Komische Oper am Rhein diese Oper an drei Orten, die jeder auf seine Weise von Macht und Repräsentation erzählen. In einem Adelspalast aus dem 18. Jahrhundert in Düsseldorf geht das Publikum durch das Gemach der Gräfin, das Kabinett des Grafen, die Kammern des Gesindes. Im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn führt die Oper durch die Dauerausstellung zur deutschen Demokratie. Im Ratssaal des Rathauses Essen, wo sonst der Stadtrat tagt, sitzt das Publikum auf den Plätzen der Gewählten. Es gibt keine Bühne und keinen Orchestergraben, das Publikum geht mit, begleitet wird am Klavier.
Getragen wird die Produktion von einem intergenerationellen Bürgerchor. Jugendliche und Menschen ab 65 Jahren stehen mit den Solist*innen der Komischen Oper am Rhein auf der Spielfläche. Gesangserfahrung war keine Voraussetzung. Seit Juli wird in Düsseldorf, Bonn und Essen geprobt, in Workshops sind eigene Texte und Szenen entstanden, die in die Dramaturgie eingegangen sind. Wo früher nur einer das Sagen hatte, singen jetzt viele. Das sind Figaros Stimmen.
In Bonn und Essen singt der Tenor und Drag-Künstler Ignacio Muñoz die Gräfin. Er singt und spielt die Partie als Frau, in Kostüm und Maske. Nach Kenntnis des Ensembles hat bisher kein Drag-Künstler eine der großen Frauenpartien Mozarts vollständig übernommen.