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Alter(n) mit Zukunft – Ein Erlebnisbericht von der Weiterbildung Kulturgeragogik

von Clara Hense

Seit 2011 bietet kubia die Weiterbildung Kulturgeragogik an, seit 2024 in Zusammenarbeit mit dem Kölner Institut für Kulturarbeit und Weiterbildung/Das Kulturgetriebe e. V. Clara Hense, Weiterbildungsreferentin beim Kooperationspartner, hat den Kurs ein Jahr lang begleitet und dabei zahlreiche neue Erkenntnisse über die Möglichkeiten der kulturellen Bildungsarbeit für und mit Älteren gewinnen können.

Kulturgeragogik – als ich diesen für mich völlig neuen Begriff zum ersten Mal höre, ahne ich noch nicht, welche eindrücklichen Erlebnisse mich bei der Begleitung der Weiterbildung erwarten. Zwölf Monate unterstütze ich 16 Teilnehmende sowie die Dozierenden, organisiere Bildungswochen und -wochenenden. Das alles kenne ich bereits aus meiner Arbeit für Das Kulturgetriebe, das Weiterbildungen in verschiedenen Sparten der Kulturarbeit anbietet. Aber Kulturgeragogik, das lerne ich früh, ist etwas Besonderes. Und zwar nicht nur, weil der Begriff für die meisten noch unbekannt ist. Im Kurs lerne ich Menschen aus verschiedenen Generationen, Bundesländern und Arbeitsfeldern der Kulturarbeit sowie aus dem sozialen Bereich kennen – eine Inspiration, die ich mir nicht hätte ausmalen können! Der Austausch ist rege: Gerade in den zwei Präsenzwochen im Oktober 2024 und Mai 2025 wird es intensiv. Ich lerne Dinge, die weit über das Curriculum hinausgehen. Im Kurs sind Fachkräfte aus der Altenarbeit sowie Theater-, Tanz- und Museumspädagog*innen, Kultur- und Projektmanager*innen. Sie bringen ihren je professionellen Blick ein, aber eines ist ihnen gemeinsam: ihre maximale Begeisterung für das Thema Kulturelle Bildung und Teilhabe im Alter(n).

Eine Gruppe von 15 Personen steht auf einer Wiese vor einem modernen Gebäude mit großen Fenstern. Links steht ein Baum, im Hintergrund sind weitere Gebäudeteile sichtbar.

Kursstart der Weiterbildung Kulturgeragogik im Herbst 2024 an der Akademie Remscheid

© Rodina Elframawy & Reem Abdulaziz

Interdisziplinäre Kulturarbeit

Von Beginn an beeindruckt mich der interdisziplinäre Ansatz der Weiterbildung. Neben theoretischen Grundlagen bekommen die Teilnehmenden Einblicke in die kulturgeragogischen Methoden der verschiedenen Sparten und können entscheiden: Was kann und will ich in meiner (Projekt-)Arbeit anwenden? Sie lernen entsprechend spartenübergreifend dazu. Eine von ihnen ist Bridget Petzold, Tanzpädagogin und Choreografin aus Wuppertal. Bereits vor der Weiterbildung hat sie Online-Tanzkurse für Menschen mit Parkinson und demenzfreundliche Tanzstunden für die Bewohner*innen des Wichern-Hauses der Diakonie Düsseldorf angeboten. Dennoch ist die Perspektive dieser Weiterbildung neu und bereichernd für sie: „Dieses Programm betrachtet all diese Disziplinen durch die Brille der Geragogik und des Alterns. […] Ich konnte jede dieser Disziplinen in Materialien übersetzen, die ich in meinen Tanzunterricht integrieren konnte. Interessanterweise habe ich festgestellt, dass die Prinzipien der Arbeit mit älteren Menschen auch auf andere Zielgruppen, mit denen ich arbeite, übertragbar sind. Kurz gesagt: Diese Weiterbildung hat mich zu einer besseren Tanzpädagogin gemacht.“

Drei Frauen unterschiedlichen Alters sitzen in einem Seminarraum an einem Tisch mit Getränkeflaschen, Notizbüchern und Namensschildern. Eine der Frauen, Elisabeth Jocher, spricht und hält eine Karte. Im Hintergrund sind ein Flipchart und eine Pinnwand mit Porträts zu sehen.

Die Sozialpädagogin Elisabeth Jocher (Mitte) in angeregter Diskussion mit ihrem Kurs.

© Rodina Elframawy & Reem Abdulaziz

Elisabeth Jocher, die als Sozialpädagogin im AWO-Seniorenzentrum im bayrischen Peiting bereits viel in Kontakt mit der Zielgruppe der Älteren steht, leitet verschiedene Improvisationstheater und Kreativcafés. Sie betont: „Eigentlich habe ich Kreatives und Biografisches Schreiben studiert, aber ich genieße es, durch die Weiterbildung Zugang zu allen Kultursparten zu bekommen. Für meine Kreativcafés krame ich dann im kulturgeragogischen Schatzkistchen und mische Methoden. Durch den Austausch mit den Dozierenden, die großzügig ihr Wissen teilen, lässt sich in jeder Sparte ein Anfang machen. Und Rückenwind, sich das zu trauen, gibt es auf jedem Weiterbildungswochenende, auch von den Teilnehmenden.“

Lernen als Erlebnis

Die Dozierenden kommen aus der kulturgeragogischen Praxis, sind aber auch in den Theorien der Kulturgeragogik und -gerontologie versiert. Sie alle eint die Begeisterung fürs Thema, die Lust, ihr Wissen zu teilen und den Teilnehmenden für ihre eigene Arbeit Mut zu machen. In der Weiterbildung spielen das Feedback der Teilnehmenden und ihr individueller Lernfortschritt eine große Rolle: „Ich hatte das Gefühl, dass das Team wirklich daran interessiert war, die Weiterbildung zu einem möglichst wertvollen Erlebnis für uns zu machen“, betont Bridget Petzold. „Außerdem wird ein umfangreiches Online-Programm angeboten, das in der Kursgebühr enthalten ist, mit vielen interessanten und nutzbaren Themen, die uns die Möglichkeit geben, unser Lernen mit maximaler Bequemlichkeit zu erweitern.“ Was kulturgeragogische Angebote in der Praxis leisten – auch das lerne ich als Begleiterin mit der Zeit –, ist dabei kaum zu überschätzen.

Clara Hense studierte Medienkulturwissenschaft und Psychologie. Sie arbeitete im Projektmanagement und war in der Öffentlichkeitsarbeit für mehrere Filmfestivals und eine nachhaltige Veranstaltungsagentur tätig. Seit ihrem Volontariat am Kölner Institut für Kulturarbeit und Weiterbildung/Das Kulturgetriebe e. V. ist sie dort als Weiterbildungsreferentin tätig. Die Kulturmanagerin ist eine leidenschaftliche Netzwerkerin und Organisationsentwicklerin.

Der Zertifikatskurs 2025/2026 ist im Oktober gestartet. Der nächste Kurs beginnt im Oktober 2026. Anmeldungen sind bereits möglich.
www.kulturgeragogik.de

Erschienen in:

Das Cover der 29. Ausgabe des kubia-Magazins Kulturräume+ zeigt fünf ältere fünf Personen in einem realitätsnahen Comic-Stil, zwei von ihnen sitzen in Rollstühlen. Darunter steht „Superhelden mit Rollator – Die fantastischen Fliedners“ und weiter unter der Magazin-Titel „We care! Sorge und Solidarität in Kunst und Kultur“.
  • Magazin
  • 2025

We care! Sorge und Solidarität in Kunst und Kultur

Während die Pflege selbst zum Pflegefall erklärt wird, werden die Rufe nach einer neuen Kultur der Sorge lauter – weg von der individuellen Last, hin zu einer solidarischen Praxis der Für- und Selbstsorge. Diese Ausgabe zeigt, welche Beiträge die Künste, Kunst- und Kultureinrichtungen sowie kulturgeragogische Angebote für diese neue Care-Kultur leisten.

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