Erkenntnisgewinn durch (tanz-)künstlerische Praxis
In einem Satz: Künstlerische Forschung generiert Wissen, das aus der künstlerischen Praxis selbst entsteht.
Wir verstehen künstlerisches Handeln auch als ein praktisches, sinnliches und kollektives Forschen, das spezifisches Wissen hervorbringen kann – und zwar aus der Praxis heraus. Fragen entstehen im künstlerischen Tun, werden in Proben, Scores (performativen Verabredungen) und Dramaturgien verfolgt und schlagen sich als verkörpertes und erspürtes Wissen nieder. Im wissenschaftlichen Diskurs wird künstlerische Forschung als eigenständige, methodisch verantwortete Wissensform gefasst – nicht als Illustration von Theorie, sondern als theoriebildende Praxis. Künstlerische Forschung bedeutet also auch, dass die Praxis – nicht nur das Werk – zum Gegenstand einer forschenden Auseinandersetzung wird und Künstler*innen sich als „reflektierende Praktiker*innen“ (Donald Schön) zu gesellschaftlichen Themen und Diskursen sowie Logiken des eigenen Kunstfelds ins Verhältnis setzen. Zentral dabei bleibt, dass in diesem Prozess durch das sinnlich-körperliche, responsive Einlassen auf den Prozess Erkenntnisse entstehen. Für Tanz, Tanztheater und Performance heißt das: Studio und Bühne fungieren als Labor; Methoden (Improvisation, Komposition, partizipative Settings), ästhetische Erfahrung und Dokumentationsformen (Video, Notation, Reflexionsprotokolle) bilden das Forschungsdesign – mit engem Bezug zu Prozessen des Spielens, Teilens, Zeigens.