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Glossar: Tanz und Alter(n)

Dieser Glossar erklärt zentrale Begriffe und Konzepte rund um Tanzkunst, Alter und Altern.

Performative Resignifikationsstrategien von Altersbildern

In einem Satz: …

In Anschluss an gender trouble (Judith Butler) zeigt Miriam Haller (xxxx) die normativen Ordnungen in Bezug auf Alter(n) und Spielräume der Resignifikation, als der bewussten Umdeutung, auf. Ageing trouble bedeutet, dass Alter(n) sozial hergestellt wird, leib-körperlich erfahren – und in künstlerischen Praktiken variiert, spielerisch befragt und anders erprobt werden kann.

In einem Satz: Angebote Kultureller Alter(n)sbildung in Tanz und Performance bieten ästhetische Erfahrung mit dem Impuls zu Teilhabe und Gestaltungsprozessen mit dem Fokus auf dem Erleben des sich-bewegenden alternden Körpers und der performativen Kraft von Körpern in Bewegung.

Kulturelle Bildung verstehen wir als Bildung mit und durch die Künste: Im Zentrum steht ästhetische Erfahrung – als leiblicher Prozess des Wahrnehmens und der Erkenntnis in der Auseinandersetzung mit Gegenständen aller Art. Teilnehmende Kultureller Bildungsangebote erhalten Zugang zu Kunst und Kultur, erleben sich als Gestalter*innen und verhandeln gesellschaftlich-politische Fragen ästhetisch, künstlerisch und sozial.

Tanz ist eine künstlerisch-expressive Praxis, in der insbesondere das Erleben des sich bewegenden Körpers zentral steht. Zugleich entfalten Körper in Bewegung eine performative Kraft, die Wahrnehmungsordnungen zu irritieren vermag und Positionierungen zum Ausdruck bringen kann. So entsteht ein Raum, in dem Teilhabe nicht nur Teilnahme bedeutet, sondern Mitgestaltung und Teilgabe: Autor*innenschaft in Probenprozessen, geteilte Entscheidungen, die Entstehung von körperlich-fundiertem Wissen und das Potenzial, das eigene Erleben von sich selbst und der Welt, die eigenen transformatorischen Lern- und Bildungsprozesse in Bewegung zu gestalten. Gerade in der Arbeit mit Älteren liegt hier ein bedeutendes Potential, um biographisches Wissen einzubinden, um die Ausdruckskraft älterer Körper sichtbar zu machen und auch Räume des (sinnlichen) Austauschs zu eröffnen.

Erkenntnisgewinn durch (tanz-)künstlerische Praxis

In einem Satz: Künstlerische Forschung generiert Wissen, das aus der künstlerischen Praxis selbst entsteht.

Wir verstehen künstlerisches Handeln auch als ein praktisches, sinnliches und kollektives Forschen, das spezifisches Wissen hervorbringen kann – und zwar aus der Praxis heraus. Fragen entstehen im künstlerischen Tun, werden in Proben, Scores (performativen Verabredungen) und Dramaturgien verfolgt und schlagen sich als verkörpertes und erspürtes Wissen nieder. Im wissenschaftlichen Diskurs wird künstlerische Forschung als eigenständige, methodisch verantwortete Wissensform gefasst – nicht als Illustration von Theorie, sondern als theoriebildende Praxis. Künstlerische Forschung bedeutet also auch, dass die Praxis – nicht nur das Werk – zum Gegenstand einer forschenden Auseinandersetzung wird und Künstler*innen sich als „reflektierende Praktiker*innen“ (Donald Schön) zu gesellschaftlichen Themen und Diskursen sowie Logiken des eigenen Kunstfelds ins Verhältnis setzen. Zentral dabei bleibt, dass in diesem Prozess durch das sinnlich-körperliche, responsive Einlassen auf den Prozess Erkenntnisse entstehen. Für Tanz, Tanztheater und Performance heißt das: Studio und Bühne fungieren als Labor; Methoden (Improvisation, Komposition, partizipative Settings), ästhetische Erfahrung und Dokumentationsformen (Video, Notation, Reflexionsprotokolle) bilden das Forschungsdesign – mit engem Bezug zu Prozessen des Spielens, Teilens, Zeigens.

 

Alter(n) als Praxis

In einem Satz: Un/doing Age(ing): Alter(n) wird sozial gemacht – und kann im Tanz umgedeutet und neu verhandelt werden.

Alter(n) ist nicht nur ein „natürliches“ Phänomen. Alter(n) wird im eigenen Körper erlebt, ist also eine leibliche Erfahrung und zugleich sozial gerahmt und performativ hervorgebracht (doing age). Gleichzeitig lassen sich gesellschaftliche Alter(n)sbilder irritieren, verschieben, „aufknüpfen“ (undoing age). In diesem Spannungsfeld – un/doing age(ing) – treffen Körperwissen, leibliches Erleben und Normen aufeinander. Im Tanz lässt sich der Zusammenhang von Biografie, Körperwissen und tänzerischen Prozessen akzentuieren (Spahn 2022, Haller/Martin 2022). Alter(n) erscheint als gelebte Differenzerfahrung, die in ästhetischen Prozessen reflektier- und gestaltbar wird. Miriam Haller hebt hier aus kulturgeragogischer Perspektive die Möglichkeit des ageing trouble (Haller 2026) hervor.

 

Weiterstöbern in Fachbeiträgen:

  • Infoblatt

Kulturbegleitung: Tandems für kulturelle Teilhabe

Menschen, die Kultveranstaltungen nicht allein besuchen können oder möchten, kann eine Begleitperson den Besuch erleichtern. Dieses Infoblatt erklärt, wie Programme zur Kulturbegleitung funktionieren.

Ein Mann, Frank Schulz-Nieswandt, und zwei Frauen, Gundula Iblher und Barbara Scharfenberg, stehen unterhalb einer Projektionsfläche in einem Saal vor Publikum.
  • Tagungsbericht

Take care! Kulturgeragogik für eine neue Kultur der Sorge und Pflege – Rückblick auf die 8. Fachtagung Kulturgeragogik

Der Fachtag thematisierte Ambivalenzen der Sorge um das Alter(n) und stellte Beispiele kulturgeragogischer Praxis vor, die Mut machen, gemeinsam eine neue Kultur der Sorge und Pflege zu entwickeln.

Mehrere ältere Personen führen auf einer hell ausgeleuchteten Bühne eine Tanzszene auf. Sie tragen helle Kleidung und stehen eng beisammen. Der Raum ist in blaues Licht getaucht.
  • Fachdiskurs

Un/doing Desire? Performative Neuverhandlungen von Sexualität und Begehren im Alter im Rahmen des Tanz-Festivals „One Night Stand“

Unter dem Titel „One Night Stand“ leistete das „Festival zu Alter(n), Sexualität und Sichtbarkeit“ 2024 einen lustvollen Beitrag zur Neuverhandlung von Sexualität und Begehren im Alter.

Fotografie: Älterer Mann mit Strickmütze und junge Frau mit Stirnband, beide tragen eine rote Clownsnase.
  • Praxiseinblick

Zirkusreif – Manege frei in finnischen Pflegeheimen

Zirkus im Pflegeheim? Für die finnische Forscherin und Kulturvermittlerin Pilvi Kuitu ist das mehr als Unterhaltung. Es ist ein Weg zu kultureller Teilhabe, Lebensfreude und Wohlbefinden im Alter.

Fotografie: Ältere Frau im Rollstuhl malt an einem großen, farbigen Stadtbild auf einem Tisch mit Malutensilien. Weitere Personen stehen und sitzen neben ihr.
  • Porträt

Superheld*innen im Pflegeheim – Ein Porträt des Kunstgeragogen Kay Strathus

Kay Strathus ist Künstler und arbeitet als Kunstgeragoge in einem Pflegeheim. Dabei bringt er Menschen mit Demenz und körperlichen Einschränkungen ins kreative Tun. kubia-Mitarbeiter Christoph Brammertz stellt ihn vor.

Fotografie: Mehrere Personen stehen um weiße, kopflose Puppen herum und betrachten sie.
  • Praxiseinblick

Who Cares? Fürsorge in der Bürger*innenoper Dortmund

In der Bürger*innenoper Dortmund bringen ältere Sängerinnen ihre Erfahrungen mit Fürsorge, Familie und Pflege in der Opernproduktion „Who cares?" künstlerisch auf die Bühne.

Fotografie: Retro-Radioempfänger und Retro-Bügeleisen auf einem gedeckten Tisch mit Kaffeetasse. Mehrere Personen unterschiedlichen Alters sitzen am Tisch.
  • Praxiseinblick

Alltag weckt Erinnerung – Ein Begegnungsangebot für Menschen mit Demenz und ihre Pflegenden

Das partizipative Projekt „Alltag weckt Erinnerung“ nutzt Koffer mit Alltagsgegenständen aus der DDR, um Menschen mit und ohne Demenz miteinander in Kontakt zu bringen.

Fotografie: Ältere Personen und Kinder sitzen und stehen an einem festlich gedeckten Tisch. Vor ihnen liegen Gipsmasken.
  • Praxiseinblick

Der Tod geht ein und aus – Die Papillons machen Theater im Pflegewohnheim

Die PAPILLONS, ein Ensemble aus älteren Menschen mit und ohne Demenz, verwandeln das Pflegewohnheim „Am Kreuzberg“ in eine Bühne voller Leben, Musik und Begegnung über Generationen hinweg.

Fotografie: Eine ältere Frau und eine mittleren Alters, beide mit gemusterten Schürzen, betrachten gemeinsam eine analoge Kamera mit Ledertasche.
  • Fachdiskurs

Kulturelle Teilhabe als Qualitätsmerkmal – Wie Theater Pflege menschlicher und lebendiger macht

Die Theaterpädagogin und Wissenschaftlerin Jessica Höhn zeigt, wie künstlerische Angebote in der Pflege Begegnung ermöglichen und zu einer menschlicheren, würdevolleren Pflege beitragen können.

Fotografie: Ältere Menschen tanzen paarweise auf einer Wiese.
  • Fachdiskurs

Saiten in der Seele anschlagen – Musikalische Gruppenangebote für Menschen mit Demenz

Begleitet von Franziska Heidemann und Kai Koch sind durch das Programm „Länger fit durch Musik!“ 43 Modellprojekte entstanden, die zum Wohlbefinden und zur Teilhabe von Menschen mit Demenz beitragen.

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Porträtfoto von Almuth Fricke in einer gelben Bluse vor einem türkisfarbenen Hintergrund

Almuth Fricke

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Miriam Haller