Auf die Haltung kommt es an! Kulturgeragogik im demokratischen Sozialraum
Kein „Nice-to-have“, sondern Menschenrecht: Kulturgeragogische Angebote eröffnen Möglichkeitsräume zur Entwicklung der menschlichen Person im sozialen Miteinander.
© Karsten Thormaehlen | Fotoausstellung „Wer rastet, der rostet!“ 2021, Joachim Janke, Sport- und Theaterfechter, Fechtgesellschaft Schwerin
© Karsten Thormaehlen | Fotoausstellung „Wer rastet, der rostet!“ 2021,
Ortwin Czarnowski, Radrennfahrer und Erfinder des „Rollenden Klassenzimmers“
Liebe Leser*innen,
das politische Klima wird rauer: Autoritäre Tendenzen gewinnen an Boden, und verletzliche Gruppen wie ältere oder pflegebedürftige Menschen sowie Menschen mit Behinderung werden zunehmend als „Belastung“ gelabelt. Exkludierende Sichtweisen gewinnen nicht nur im öffentlichen Diskurs an Bedeutung, sondern zeigen sich auch in politischen Entscheidungen – etwa in Sparmaßnahmen bei Inklusion oder im Kulturbereich. Was hilft angesichts dieser Herausforderungen gegen Verzagen und Mutlosigkeit? Wie stärken wir die Resilienz unserer Demokratie?
Demokratie ist mehr als eine Staatsform. Sie ist eine Lebensform, die in alltäglichen sozialen Praktiken, Kommunikationsprozessen und Bildungszusammenhängen verwirklicht wird. Sie ist auf unsere Beteiligung, Verantwortungsübernahme und gemeinschaftliches Handeln angewiesen. Der Journalist und Philosoph Jürgen Wiebicke empfiehlt, dass wir wie Sportler*innen an der eigenen Haltung arbeiten und den Demokratiemuskel trainieren, indem wir engagiert das Gemeinwesen mitgestalten. Was können Kulturgeragogik und inklusive Kulturarbeit zu diesem Training beitragen?
Zunächst ist das, wie der Sozialwissenschaftler Frank Schulz-Nieswandt in seinem Beitrag hervorhebt, eine Frage der professionellen und normativen Haltung: Zentral ist, dass sich die Kulturgeragogik ihrer Grundwerte vergewissert und ihre Verortung im demokratischen Sozialraum kontinuierlich reflektiert. Der aktuelle Demokratiebericht der Landeszentrale für politische Bildung NRW konstatiert, dass allein Menschen ab 60 noch als „Stütze der Demokratie“ erkennbar sind, während bei jüngeren Altersgruppen die Demokratiezufriedenheit regelrecht eingebrochen ist. Doch auch unter älteren Menschen gibt es immer häufiger Radikalisierungstendenzen. Der Gerontologe Tobias Müller hat dazu geforscht und appelliert in seinem Artikel an die Kulturgeragog*innen, mit der Politischen Bildung zur Prävention von rechter Radikalisierung älterer Menschen zu kooperieren.
Die weiteren Beiträge im Salon zeigen an konkreten kulturellen Projekten, wie Erfahrungsräume geöffnet werden können, in denen Vielfalt, Partizipation und demokratische Prozesse mit Kopf, Herz und Hand erfahren, erprobt und (um)gestaltet werden können. Dort lässt sich üben, Ambivalenzen nicht nur auszuhalten, sondern sie als Impuls zur kreativen Veränderung zu nutzen. Bestimmt sind die Künste und die Kulturelle Bildung kein Allheilmittel gegen antidemokratische Tendenzen. Es greift zu kurz, zur Lösung genuin politischer Probleme reflexhaft nach Kunst und Kulturarbeit zu rufen. Trotzdem tun wir alle gut daran, zum Erhalt der Demokratie und der Freiheit der Kunst die Kraft der kreativen Imagination durch Kulturelle Bildung zu stärken. Dass es keine Frage des Alters ist, Haltung zu zeigen, führt eindrucksvoll die Fotostrecke von Karsten Thormaehlen vor Augen.
Nur Mut wünscht
Das kubia-Team
Kompetenzzentrum für Kulturelle Bildung im Alter und inklusive Kultur (Hrsg.) (2026): Haltung zeigen! Kulturelle Demokratiebildung im Alter. Kulturräume+. Das kubia-Magazin, Heft 30/2026. 52 Seiten, ISSN: 2193-6234.
Kein „Nice-to-have“, sondern Menschenrecht: Kulturgeragogische Angebote eröffnen Möglichkeitsräume zur Entwicklung der menschlichen Person im sozialen Miteinander.

Durch Kulturelle Bildung Demokratie stärken
Kann und darf Kulturelle Bildung politisch wirksam sein? In einer Zeit gesellschaftlich-politischer Verunsicherungen ist das eine Frage, die viele Tätige in der Kulturellen Bildung umtreibt. Das Projekt „KuBiDemo. Kulturelle Bildung als Praxis der Demokratiebildung“ der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel ist von 2023 bis 2025 solchen Fragen nachgegangen. Die Veröffentlichung der Projektergebnisse gibt wertvolle Einblicke und Anregungen für die eigene Praxis und beinhaltet einen Reflexionsbogen, mit dem sich die eigene Bildungsarbeit kritisch überprüfen lässt.
Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel (Hrsg.) (2025): Haltung als Prinzip. Durch Kulturelle Bildung Demokratie stärken (PDF) . Wolfenbüttel, 61 S.

Handlungssicherheit bei extremistischen Tendenzen
Das praxisnahe Arbeitsheft macht Musikverbänden, -vereinen und Ensemblemitgliedern Mut, sich mit rechtlichen Fragen auseinanderzusetzen und Haltung zu zeigen, um ein engagiertes, offenes und inklusives Vereinsleben zu erhalten. Das Heft bietet Orientierung und Praxiswissen, benennt amateurmusikspezifische Herausforderungen und enthält einen Selbstcheck für Vereine. Außerdem enthält es Mustervorlagen für Vereinssatzungen sowie Hausordnungen.
BMCO (Bundesmusikverband Chor und Orchester) (Hrsg.) (2025): Zwischentöne erkennen – Handlungssicherheit bei extremistischen Tendenzen (PDF). Orientierung, Praxiswissen und rechtliche Grundlagen. Trossingen, 44 S.

Praxisleitfaden für die politische Bildungsarbeit mit älteren Menschen
Die im Durchschnitt stark ausgeprägte politische Teilhabe älterer Menschen sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es innerhalb der Gruppe der Älteren große Unterschiede bei der politischen Beteiligung gibt und dass einzelne Bevölkerungsgruppen nur in sehr geringem Maße am politischen Leben teilhaben. Ungleichheiten in der politischen Bildung und Partizipation aus jüngeren Jahren verstärken sich im Alter weiter. Die Servicestelle Bildung und Lernen im Alter der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) e. V. hat einen Praxisleitfaden zur Politischen Bildung für ältere Menschen herausgegeben.
BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen) (Hrsg.) (2025): Gesellschaft im Wandel. Politische Bildung für Seniorinnen und Senioren gestalten. Praxisleitfaden für die Bildungsarbeit mit älteren Menschen (PDF). Bonn, 20 S.

Bericht zur Lage der Demokratie und der politischen Bildung in NRW
Der aktuelle Bericht zur Lage der Demokratie und der politischen Bildung in Nordrhein-Westfalen zeigt, dass bei den jüngeren Altersgruppen die Demokratiezufriedenheit im Vergleich zum 2. Demokratiebericht regelrecht eingebrochen ist. Auch die Demokratiezufriedenheit in der Lebensmitte, also bei den 30- bis 44-Jährigen, bröckelt, wird aber durch den Einbruch in den jüngeren Altersgruppen in den Schatten gestellt. Nur die älteren Altersgruppen ab 60 sind laut Bericht noch „als Stützen der Demokratie erkennbar“.
LpB NRW (Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen) (2026): 3. Demokratiebericht. Mitte(n) unter Druck. Bericht zur Lage der Demokratie und der politischen Bildung in Nordrhein-Westfalen 2025 (PDF). Düsseldorf, 133 S.

Neue Wege, neue Möglichkeiten
Die gegenwartsdiagnostischen Einschätzungen eines Krisenzeitalters, einschließlich seiner spezifischen Ursachen und Manifestationen wie Klimawandel, Corona- Pandemie, Ukraine-Krieg, Nahost-Konflikt, Rechtsruck und steigender Antisemitismus, erfordern eine Reflexion in der politischen Erwachsenenbildung. Das Heft thematisiert den aktuellen Stand des Bereichs und legt seinen Fokus zudem auf die notwendigen Entwicklungslinien im Kontext globaler gesellschaftlicher Herausforderungen. Dabei werden innovative Wege hinsichtlich der Zielgruppenansprache und neue methodische Formate diskutiert.
HVV (Hessischer Volkshochschulverband) (Hrsg.) (2025): Politische Bildung – Neue Wege, neue Möglichkeiten (Open Access). Hessische Blätter für Volksbildung, Heft 22.

Aufruf zum Widerstand
Daniel Schreibers neues Buch „Liebe! Ein Aufruf“ beschwört die Liebe als Gegenmittel zur Polarisierung der Gesellschaft und zur Zerstörung des Planeten. Schreiber ruft gegen Hass und Gewalt zur Rückbesinnung auf die Idee der Liebe als politische Kraft auf. Anhand politischer, philosophischer und sozialhistorischer Beispiele zeigt er, dass diese Vorstellung die größten politischen Revolutionen angestoßen hat. Ein Buch, das zu Widerstand motivieren und Trost geben will.
Daniel Schreiber (2025): Liebe! Ein Aufruf. Berlin: Hanser, 160 S., ISBN: 978-3-446-70074-1

Kulturgespräche als digitale Reihe
Die Bedeutung von Kultureinrichtungen als Fundament einer demokratischen Gesellschaft steht zunehmend im Fokus, insbesondere angesichts wachsender Herausforderungen durch antidemokratische Bewegungen und politische Anfeindungen. Um in dieser Zeit mehr Wissenstransfer zu ermöglichen, boten die Kulturdezernate der Landschaftsverbände Westfalen-Lippe und Rheinland gemeinsam die Veranstaltungsreihe „Kultur unter Druck – Kulturgespräche 2025“ im Frühjahr und Herbst 2025 an. Die einzelnen Vorträge sind als Videos im Netz verfügbar.
Umgang mit extremistischen und populistischen Akteuren
Die Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege NRW führt zwischen dem 16.06 und dem 24.11.2026 in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung NRW und dem NRW-Verfassungsschutz verschiedene Fortbildungsveranstaltungen online und in Präsenz durch. Ziel ist es, den Teilnehmenden das notwendige Rüstzeug zu vermitteln, um die eigene demokratische Haltung zu stärken und die Handlungssicherheit im Umgang mit extremistischen Ideologien und Akteuren zu erhöhen.

© Rasectos, CC BY-SA 4.0
65 Orte, eine Demokratie
Was hat ein zoologisches Forschungsmuseum mit den Anfängen der Demokratie zu tun? Und wo wurde das Grundgesetz unterzeichnet? Die Rundgänge und Touren auf dem „Weg der Demokratie“ in Bonn und Umgebung erinnern an wichtige Orte der deutschen Demokratiegeschichte: vom Bundeshaus über den „Langen Eugen“ bis zur Villa Hammerschmidt und zum Bundeskanzleramt. Insgesamt 65 Stationen umfasst der Weg. Tafeln informieren über Gebäude mit historisch-politischer Bedeutung und erzählen die Geschichte der jungen Demokratie in der Bundesstadt Bonn.
Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Weg der Demokratie
In der Begegnung mit 100‑Jährigen entdeckte der Fotograf Karsten Thormaehlen vor rund 20 Jahren ein Thema, das ihn bis heute nicht loslässt. Sein Projekt „Jahrhundertmensch“ (2008) wurde zum Ausgangspunkt für ein umfangreiches fotografisches Werk über das Alter und seine Erscheinungsformen in unserer Gesellschaft. Die Bildsprache, die er dafür entwickelt hat, ist schnörkellos, reduziert und klar. „Ich will das Alter nicht beschönigen, aber auch nicht dramatisieren“, so Thormaehlen.
Für die Fotoausstellung „Wer rastet, der rostet!“ porträtierte Thormaehlen 2021 auf Einladung der Marie‑Luise und Ernst Becker Stiftung zwölf Sportler*innen, die im hohen Alter weiter sportlich aktiv sind, andere zu körperlicher Aktivität motivieren und die Freude am Sport an jüngere Generationen weitergeben. Traudel Bothor, inzwischen 92 Jahre alt, engagiert sich seit Jahrzehnten als Übungsleiterin im Turnverein Lahr und leitet das Angebot „Fit und gesund – 50 plus“. Ortwin Czarnowski war als aktiver Radrennsportler bei den Olympischen Spielen in Mexiko dabei. Als Lehrer rief er das „Rollende Klassenzimmer“ ins Leben. Die jährliche Fernradtour nach Berlin begleitet der inzwischen 85‑Jahrige auch in diesem Sommer. Ralf Brünig strebt in diesem Jahr den 8. Dan im Karate an. Er war lange Schulsportreferent im Deutschen Karate Verband und hat mit „Sound‑Karate“ eine spezielle Trainingsform für Kinder entwickelt. Der Sportfechter Joachim Janke ist mit 88 Jahren weiterhin ein ernst zu nehmender Gegner. Harald Petry ist bis heute Ansprechpartner für Senior Volley im saarländischen Volleyballverband, und Erika Schmelzer aus Eltville leitet mit 91 Jahren mehrere Seniorentanzgruppen. Vor so viel Engagement ziehen wir unseren Hut.
© Klett Kinderbuch
Endlich Ferien! Doch die Böckchen-Bande hat nichts Besseres im Sinn, als wieder den üblichen Alm-Ausflug mit Waffeln und ein bisschen Troll-Ärgern zu machen. Nur – der alte Troll hockt diesmal nicht unter seiner Brücke. Der wohnt neuerdings im Altersheim. Spontan beschließen die Böckchen, ihn zu besuchen – und sie kommen genau zur rechten Zeit, denn der fiese Troll sorgt dort für ordentlich Aufregung.
In Norwegen haben die drei Ziegenbrüder und ihr Widersacher, der Troll, mittlerweile Star-Status. Der dritte Band der „Wimmelbücher des Wahnsinns“, fantasievoll in Filzstift-Optik illustriert von der vielfach ausgezeichneten Grafikerin Gry Moursund und mit witzigen Plots und Texten des bekannten Kinderbuchautors Björn Rörvik, widmet sich einem Thema, das in der Kinderliteratur eher selten vorkommt: Das Altersheim. In Haus Waldfrieden ist Schluss mit „Trautes Heim, Glück allein“, denn der eigensinnige Troll versetzt alle in Angst und Schrecken. Das Pflegepersonal ist hilflos – einen 300-Jährigen einfach vor die Tür setzen? Keine Chance!
Also greifen die Böckchen zu drastischen Mitteln. Geragogisch wertvoll? Eher nicht. Aber auf jeden Fall sehr lustig. Dreimal bäh, bäh, bäh für die Böckchen-Bande!
Gry Moursund und Björn Rörvik (2019): Die Böckchen-Bande im Altersheim. Aus dem Norwegischen von Monika Osberghaus. Leipzig: Klett Kinderbuch, 48 S., ISBN 9783954702046
© Deutschlandradio/Philipp Lemmerich
Um diesen Podcast zu hören, sollte man es sich bequem machen und einen Gang runterschalten. Wir begeben uns in die Welt der „Gammel-Therapie“. Philipp Lemmerich war für den Deutschlandfunk zu Besuch im Julie-Kolb-Seniorenzentrum, einer AWO-Einrichtung im nordrhein-westfälischen Marl. Dort nennt sich einer der Wohnbereiche „Gammel-Oase“. Hier geben Menschen mit Demenz den Takt vor. Es gibt keine festen Essenszeiten, keine strengen Tagesabläufe, keine unumstößlichen Regeln. Dahinter steht ein durchdachtes Konzept, das die Bedürfnisse der Bewohner*innen ernst nimmt und ihre Autonomie bewahren möchte. Einer der Grundsätze in der „Gammel-Oase“ lautet: Was heute funktioniert hat, kann morgen wieder ganz anders sein. Wer um 22 Uhr frühstücken möchte, bekommt auch zu dieser Zeit das Frühstück. Statt einer Hausordnung gibt es eine Hausunordnung. Dr. Stephan Kostrzewa, examinierter Altenpfleger, Sozial- und Pflegewissenschaftler, ist der Ideengeber der „Gammel-Oase“. In seiner Jugend war er Punk. Ihn interessieren Menschen mit Demenz auch deshalb, weil sie sich nicht an Konventionen halten. Kostrzewa bezweifelt, dass Menschen mit Demenz in besonderer Weise Strukturen brauchen. Vielmehr glaubt er, dass die festen Strukturen und Settings im Pflegeheim selbst oft das herausfordernde Verhalten von Menschen mit Demenz beeinflussen. Im Team der „Gammel-Oase“ wird nach der Verstehens-Hypothese gearbeitet: Die Mitarbeitenden fragen sich, warum Bewohner*innen so handeln, wie sie handeln. Oft finden sie einen Grund, viele der Bewohner*innen beruhigen sich – manchmal brauchen sie sogar weniger Medikamente, wie im Podcast berichtet wird. Ein paar Grenzen müssen gewahrt bleiben: Das betrifft die medizinische und die pflegerische Versorgung, zum Beispiel bei Inkontinenz. Doch wer sagt denn eigentlich, wie oft man sich duschen muss? „Man muss schon ein bisschen Punk sein, um dieses Konzept der ‚Gammel-Oase‘ auch wirklich in dieser Radikalität umzusetzen“, glaubt Kostrzewa. Um darüber nachzusinnen, geh ich jetzt erstmal gammeln. Philipp Lemmerich: Pflegeheim „Gammel-Oase“: Warum Nichtstun oft die beste Pflege ist, Deutschlandfunk Kultur, 8. Juni 2025, 33:32 Minuten.
© Miriam Haller
Dass wir mal ein Auto zum Lieblingsstück einer Kulturräume+-Ausgabe küren, hätten wir uns wohl nicht träumen lassen. Doch mit diesem Auto hat es etwas Besonderes auf sich: Das Auto ist Teil der Ausstellung „Yes, we care. Das Neue Frankfurt und die Frage nach dem Gemeinwohl“ im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main. Die Komponisten Marc Behrens und Hannes Seidl nehmen darin das Publikum mit auf den Audiodrive „Eure Welt“. Eingehüllt in eine Soundwolke aus heilenden, entschleunigenden Frequenzen und Interview-Collagen mit Pflegekräften begeben sich die Besucher*innen auf eine Rundfahrt durch die Stadt. Der Audiodrive bietet den Beifahrer*innen Einblicke in den oft harten Alltag mobiler Pfleger*innen, die mit dem Auto von Tür zu Tür hetzen, und kontrastiert deren enge zeitliche Taktung mit einer sphärischen Klanginstallation.
Im Auto soll es „zwischen Klangschalen und Bettpfannen oszillieren“, versprechen die Künstler. In jedem Fall regt der Audiodrive Gedanken, Fragen und Gespräche an: Was bedeutet uns Fürsorgearbeit heute? Und wie sieht es eigentlich mit der (Selbst-)Fürsorge der Pflegenden aus? In welchem Verhältnis stehen Pflegearbeit und die boomende Wellness- und Self-Care-Branche?
Noch bis Mitte Januar 2026 starten mittwochs, samstags und sonntags zwei Autos vom Museum aus in den Frankfurter Stadtraum. Die Fahrten dauern ungefähr 50 Minuten. Darüber hinaus können Besucher*innen die beiden Autos als Installation im Hof vom Museum Angewandte Kunst bewundern.
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