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Die Grafik bildet das Cover des kubia-Magazin Kulturräume+ Nr. 30 im Anschnitt ab. Das Titelfoto zeigt einen älteren Mann im Fechtanzug in aufrechtstehender Haltung. Er blickt geradeaus und hält einen Degen so in der Hand, dass die Klinge sich senkrecht vor seiner Nase befindet.

© Karsten Thormaehlen | Fotoausstellung „Wer rastet, der rostet!“ 2021, Joachim Janke, Sport- und Theaterfechter, Fechtgesellschaft Schwerin

Haltung zeigen! Kulturelle Demokratiebildung im Alter

Kulturräume+ Das kubia-Magazin #30
Ein älterer Mann sitzt auf einem Rennrad mit den Händen am Lenker und blickt lächelnd in die Kamera. Er trägt einen Fahrradhelm, eine blaue Jacke mit gelben Einsätzen und eine lange schwarze Radlerhose.

© Karsten Thormaehlen | Fotoausstellung „Wer rastet, der rostet!“ 2021,
Ortwin Czarnowski, Radrennfahrer und Erfinder des „Rollenden Klassenzimmers“

Editorial

Liebe Leser*innen,

das politische Klima wird rauer: Autoritäre Tendenzen gewinnen an Boden, und verletzliche Gruppen wie ältere oder pflegebedürftige Menschen sowie Menschen mit Behinderung werden zunehmend als „Belastung“ gelabelt. Exkludierende Sichtweisen gewinnen nicht nur im öffentlichen Diskurs an Bedeutung, sondern zeigen sich auch in politischen Entscheidungen – etwa in Sparmaßnahmen bei Inklusion oder im Kulturbereich. Was hilft angesichts dieser Herausforderungen gegen Verzagen und Mutlosigkeit? Wie stärken wir die Resilienz unserer Demokratie?

Demokratie ist mehr als eine Staatsform. Sie ist eine Lebensform, die in alltäglichen sozialen Praktiken, Kommunikationsprozessen und Bildungszusammenhängen verwirklicht wird. Sie ist auf unsere Beteiligung, Verantwortungsübernahme und gemeinschaftliches Handeln angewiesen. Der Journalist und Philosoph Jürgen Wiebicke empfiehlt, dass wir wie Sportler*innen an der eigenen Haltung arbeiten und den Demokratiemuskel trainieren, indem wir engagiert das Gemeinwesen mitgestalten. Was können Kulturgeragogik und inklusive Kulturarbeit zu diesem Training beitragen?

Zunächst ist das, wie der Sozialwissenschaftler Frank Schulz-Nieswandt in seinem Beitrag hervorhebt, eine Frage der professionellen und normativen Haltung: Zentral ist, dass sich die Kulturgeragogik ihrer Grundwerte vergewissert und ihre Verortung im demokratischen Sozialraum kontinuierlich reflektiert. Der aktuelle Demokratiebericht der Landeszentrale für politische Bildung NRW konstatiert, dass allein Menschen ab 60 noch als „Stütze der Demokratie“ erkennbar sind, während bei jüngeren Altersgruppen die Demokratiezufriedenheit regelrecht eingebrochen ist. Doch auch unter älteren Menschen gibt es immer häufiger Radikalisierungstendenzen. Der Gerontologe Tobias Müller hat dazu geforscht und appelliert in seinem Artikel an die Kulturgeragog*innen, mit der Politischen Bildung zur Prävention von rechter Radikalisierung älterer Menschen zu kooperieren.

Die weiteren Beiträge im Salon zeigen an konkreten kulturellen Projekten, wie Erfahrungsräume geöffnet werden können, in denen Vielfalt, Partizipation und demokratische Prozesse mit Kopf, Herz und Hand erfahren, erprobt und (um)gestaltet werden können. Dort lässt sich üben, Ambivalenzen nicht nur auszuhalten, sondern sie als Impuls zur kreativen Veränderung zu nutzen. Bestimmt sind die Künste und die Kulturelle Bildung kein Allheilmittel gegen antidemokratische Tendenzen. Es greift zu kurz, zur Lösung genuin politischer Probleme reflexhaft nach Kunst und Kulturarbeit zu rufen. Trotzdem tun wir alle gut daran, zum Erhalt der Demokratie und der Freiheit der Kunst die Kraft der kreativen Imagination durch Kulturelle Bildung zu stärken. Dass es keine Frage des Alters ist, Haltung zu zeigen, führt eindrucksvoll die Fotostrecke von Karsten Thormaehlen vor Augen.

Nur Mut wünscht
Das kubia-Team

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Ausgabe #30 zum Download

Lieber als PDF lesen oder für später speichern? Hier das barrierefreie PDF zur Ausgabe:

Kompetenzzentrum für Kulturelle Bildung im Alter und inklusive Kultur (Hrsg.) (2026): Haltung zeigen! Kulturelle Demokratiebildung im Alter. Kulturräume+. Das kubia-Magazin, Heft 30/2026. 52 Seiten, ISSN: 2193-6234.

Themenschwerpunkt: Kulturelle Demokratiebildung im Alter

Eine älterer Mann steht barfuß in einer Karate-Pose mit gebeugten Knien und ausgestreckten Armen. Er trägt einen weißen Karateanzug mit rot-weißem Gürtel.
  • Fachdiskurs

Auf die Haltung kommt es an! Kulturgeragogik im demokratischen Sozialraum

Franz Schulz-Nieswandt macht deutlich: Kulturgeragogische Angebote sind kein „Nice-to-have“, sondern Menschenrecht. Sie eröffnen Möglichkeitsräume zur Entwicklung der menschlichen Person im sozialen Miteinander.

Die "Omas gegen Rechts" zeigen Regenbogenflaggen und Transparente beim CSD in Bautzen
  • Fachdiskurs

Die Verteidigung der Demokratie als kreativer Akt – Prävention rechter Radikalisierung im Alter

Der Gerontologe Tobias Müller gibt anhand der Ergebnisse der RAGE-BW-Studie einen Einblick in den Kenntnisstand über rechte Radikalisierung im Alter und stellt diesen in den Kontext der Kulturellen Bildung.

Eine junge und eine alte Frau sitzen am Tisch in einem Stadtteilzentrum und sind im Dialog.
  • Fachdiskurs

Im Druck der Bilder – Generationenbegegnungen als Praxis demokratischer Erfahrung

Anja Hartung-Griemberg, Professorin für Kultur und Medienbildung an der PH Ludwigsburg, beleuchtet die diskursive Hervorbringung von Generation sowie deren Irritation im Vollzug gemeinsamer Praxis.

Im Rat der Generationen erproben Jugendliche und Ältere performativ demokratische Prozesse. Sie zeigen Schilder mit "Einspruch" oder "Ordnungsruf".
  • Praxiseinblick

BeRatung für die Zukunft – Ein Rat der Generationen gründet sich am Theater der Jungen Welt in Leipzig

Gemeinsam mit der freien Theatermacherin Katrin Maiwald berief das Leipziger Theater der Jungen Welt (TDJW) im Jahr 2025 einen Rat der Generationen mit Menschen, die sonst selten an einem Tisch sitzen.

Schluss-Szene von Requiem für eine marode Brücke mit dem Experimentalchor alte Stimmen
  • Praxiseinblick

Wie wenig ist genug? Generationengerechte Zukunft in „Requiem für eine marode Brücke“ vom Schauspiel Köln

Mit „Requiem für eine marode Brücke“ geht das Theater ins Kölner Diözesan-Museum Kolumba und verbindet Recherchen zur Misere in unserer Infrastruktur mit Musik von Brahms, gesungen von einem Jugend- und einem Altenchor.

Das interkulturelle Ensemble von Wortklang bei einem Auftritt: Foto: Eine Gruppe musiziert gemeinsam. Im Vordergrund sitzt eine Person mit Saiteninstrument, im Hintergrund stehen Sänger*innen.
  • Praxiseinblick

Nicht als Wasser in einem Meer verschwinden – Transkulturelle Begegnungen in der Düsseldorfer Initiative „Wortklang“

„Wortklang“ nennt sich ein Projekt in Düsseldorf, das nicht nur die deutsche Sprache mit Musik und Rhythmus vermittelt, sondern auch das inter- und transkulturelle soziale Miteinander im Stadtteil stärkt.

Ältere Menschen präsentieren originelle Upcycling-Modell auf dem Laufsteg der Vienna Fashion Week.
  • Praxiseinblick

Mode mit gesellschaftspolitischer Agenda – Die Wiener Pensionist*innenklubs bei der Vienna Fashion Week

kubia-Mitarbeiterin Dr.in Miriam Haller wirft einen Blick über den deutschen Tellerrand und entdeckt in Österreich avantgardistische Upcycling-Mode von Senior*innen bei der Vienna Fashion Week.

Eine Gruppe sitzt in Kirchenbänken in einer Gesprächs- oder Workshop-Situation.

© Chris Weber

Tipps zum Themenschwerpunkt

Gegen rechte und diskriminierende Parolen

Mitmach-Tipp: Die Stammtischkämpfer*innen

Wer hat das noch nicht erlebt? Ob am Stammtisch, in der Warteschlange an der Supermarktkasse, in der Straßenbahn oder im Gespräch mit dem Onkel beim Familienfest – auf einmal werden rassistische oder andere diskriminierende Aussagen laut, rechte Sprüche, die einem vor lauter Schreck die Sprache verschlagen. Später ärgert man sich und wünscht sich, dass man den Mund aufgemacht hätte. Doch wie? Welche Reaktionen machen es wahrscheinlicher, dass dem Widerspruch auch zugehört wird?

Um solche Situationen zu üben, haben sich die Stammtischkämpfer*innen gegründet. Inzwischen gibt es mehr als 34.000 von ihnen. Ehrenamtlich geben sie Workshops, um Menschen in die Lage zu versetzen, die Schrecksekunde zu überwinden und Position zu beziehen. Dazu nutzen sie theater- und kulturpädagogische Methoden, zum Beispiel aus dem Forumtheater.

In den Seminaren werden Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt, die dabei unterstützen, rechten und rassistischen Parolen – etwa denen der AfD und ihrer Anhänger*innen – etwas entgegenzusetzen. Inzwischen haben die Stammtischkämpfer*innen auch zwei Seminare zum Mythos „Neutralitätsgebot“ ausgearbeitet, in denen grundlegende Informationen dazu im Bildungskontext vermittelt und bewährte Strategien im Umgang mit problematischen politischen Äußerungen ausgetauscht werden.

Weitere Informationen

Stammtischkämpfer*innen: Aufstehen gegen Rassismus!

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Das Cover des Buches „Liebe! Ein Aufruf“ von Daniel Schreiber zeigt eine Aquarell-Bild mit bunten, ineinander verlaufenden Farbflächen. Rechts ist ein Aufkleber mit „SPIEGEL Bestseller“.

Liebe zur Demokratie

Aufruf zum Widerstand

Daniel Schreibers neues Buch „Liebe! Ein Aufruf“ beschwört die Liebe als Gegenmittel zur Polarisierung der Gesellschaft und zur Zerstörung des Planeten. Schreiber ruft gegen Hass und Gewalt zur Rückbesinnung auf die Idee der Liebe als politische Kraft auf. Anhand politischer, philosophischer und sozialhistorischer Beispiele zeigt er, dass diese Vorstellung die größten politischen Revolutionen angestoßen hat. Ein Buch, das zu Widerstand motivieren und Trost geben will.

Daniel Schreiber (2025): Liebe! Ein Aufruf. Berlin: Hanser, 160 S., ISBN: 978-3-446-70074-1


Cover der Zeitschrift Hessische Blätter für Volksbildung, Zeitschrift für Erwachsenenbildung in Deutschland, Ausgabe 2/2025 mit dem Titel „Politische Bildung – Neue Wege, neue Möglichkeiten“.

Politische Erwachsenenbildung

Neue Wege, neue Möglichkeiten

Die gegenwartsdiagnostischen Einschätzungen eines Krisenzeitalters, einschließlich seiner spezifischen Ursachen und Manifestationen wie Klimawandel, Corona- Pandemie, Ukraine-Krieg, Nahost-Konflikt, Rechtsruck und steigender Antisemitismus, erfordern eine Reflexion in der politischen Erwachsenenbildung. Das Heft thematisiert den aktuellen Stand des Bereichs und legt seinen Fokus zudem auf die notwendigen Entwicklungslinien im Kontext globaler gesellschaftlicher Herausforderungen. Dabei werden innovative Wege hinsichtlich der Zielgruppenansprache und neue methodische Formate diskutiert.

HVV (Hessischer Volkshochschulverband) (Hrsg.) (2025): Politische Bildung – Neue Wege, neue Möglichkeiten (Open Access). Hessische Blätter für Volksbildung, Heft 22.

Cover der Publikation „Haltung als Prinzip. Durch Kulturelle Bildung Demokratie stärken“

Haltung als Prinzip

Durch Kulturelle Bildung Demokratie stärken

Kann und darf Kulturelle Bildung politisch wirksam sein? In einer Zeit gesellschaftlich-politischer Verunsicherungen ist das eine Frage, die viele Tätige in der Kulturellen Bildung umtreibt. Das Projekt „KuBiDemo. Kulturelle Bildung als Praxis der Demokratiebildung“ der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel ist von 2023 bis 2025 solchen Fragen nachgegangen. Die Veröffentlichung der Projektergebnisse gibt wertvolle Einblicke und Anregungen für die eigene Praxis und beinhaltet einen Reflexionsbogen, mit dem sich die eigene Bildungsarbeit kritisch überprüfen lässt.

Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel (Hrsg.) (2025): Haltung als Prinzip. Durch Kulturelle Bildung Demokratie stärken (PDF) . Wolfenbüttel, 61 S.


Cover der Publikation „Zwischentöne erkennen“ mit Informationen über den Umgang mit extremistischen Tendenzen in Amateurmusikvereinen, mit bunten Violinschlüssel-Symbolen und dem BMCO-Logo.

Zwischentöne erkennen

Handlungssicherheit bei extremistischen Tendenzen

Das praxisnahe Arbeitsheft macht Musikverbänden, -vereinen und Ensemblemitgliedern Mut, sich mit rechtlichen Fragen auseinanderzusetzen und Haltung zu zeigen, um ein engagiertes, offenes und inklusives Vereinsleben zu erhalten. Das Heft bietet Orientierung und Praxiswissen, benennt amateurmusikspezifische Herausforderungen und enthält einen Selbstcheck für Vereine. Außerdem enthält es Mustervorlagen für Vereinssatzungen sowie Hausordnungen.

BMCO (Bundesmusikverband Chor und Orchester) (Hrsg.) (2025): Zwischentöne erkennen – Handlungssicherheit bei extremistischen Tendenzen (PDF). Orientierung, Praxiswissen und rechtliche Grundlagen. Trossingen, 44 S.


Das Cover der Publikation „Gesellschaft im Wandel. Politische Bildung für Seniorinnen und Senioren gestalten. Praxisleitfaden für die Bildungsarbeit mit älteren Menschen“ zeigt zwei ältere Frauen mit Fahnen, die das Symbol der Klimabewegung „Extinction Rebellion“ zeigen. Auf einer Fahne steht zudem „STOP THE HARM“. Eine Frau trägt eine bunte Schutzmaske.

Gesellschaft im Wandel

Praxisleitfaden für die politische Bildungsarbeit mit älteren Menschen

Die im Durchschnitt stark ausgeprägte politische Teilhabe älterer Menschen sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es innerhalb der Gruppe der Älteren große Unterschiede bei der politischen Beteiligung gibt und dass einzelne Bevölkerungsgruppen nur in sehr geringem Maße am politischen Leben teilhaben. Ungleichheiten in der politischen Bildung und Partizipation aus jüngeren Jahren verstärken sich im Alter weiter. Die Servicestelle Bildung und Lernen im Alter der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) e. V. hat einen Praxisleitfaden zur Politischen Bildung für ältere Menschen herausgegeben.

BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen) (Hrsg.) (2025): Gesellschaft im Wandel. Politische Bildung für Seniorinnen und Senioren gestalten. Praxisleitfaden für die Bildungsarbeit mit älteren Menschen (PDF). Bonn, 20 S.


Das Cover der Publikation „3. Demokratiebericht. Mitte(n) unter Druck. Bericht zur Lage der Demokratie und der politischen Bildung in Nordrhein-Westfalen 2025“ zeigt eine grafische Darstellung eines Schraubstocks, der ein Geschenkpaket mit der Aufschrift „Demokratie“ zusammendrückt. Auf dem Schraubstock steht „Krisen“, „Zukunftsangst“ und „Sorgen“. Darüber sind das Logo der Landeszentrale für politische Bildung NRW und das Landeswappen.

Mitte(n) unter Druck

Bericht zur Lage der Demokratie und der politischen Bildung in NRW

Der aktuelle Bericht zur Lage der Demokratie und der politischen Bildung in Nordrhein-Westfalen zeigt, dass bei den jüngeren Altersgruppen die Demokratiezufriedenheit im Vergleich zum 2. Demokratiebericht regelrecht eingebrochen ist. Auch die Demokratiezufriedenheit in der Lebensmitte, also bei den 30- bis 44-Jährigen, bröckelt, wird aber durch den Einbruch in den jüngeren Altersgruppen in den Schatten gestellt. Nur die älteren Altersgruppen ab 60 sind laut Bericht noch „als Stützen der Demokratie erkennbar“.

LpB NRW (Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen) (2026): 3. Demokratiebericht. Mitte(n) unter Druck. Bericht zur Lage der Demokratie und der politischen Bildung in Nordrhein-Westfalen 2025 (PDF). Düsseldorf, 133 S.


Die Grafik zeigt mittig die Titelseite und seitlich davon weitere Seiten der Publikation „Gestalten & Standhalten. Ein Toolkit für Kunst im Spannungsfeld politischer Realitäten“. Die Überschrift links lautet: „3. Künstlerische Mittel & Entscheidungen“, rechts sind Überschriften wie „Reflexionsfragen“ und „Handlungsimpulse“ zu lesen.

Gestalten und Standhalten

Toolkit für Kunst im Spannungsfeld politischer Realitäten

Das Toolkit vom Verbund Mitte:Ost, ein Zusammenschluss der Landesverbände für die Freien Darstellenden Künste in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, unterstützt Kulturakteur*innen darin, den gesellschaftlichen Herausforderungen einer zunehmend polarisierten Gegenwart zu begegnen – ob auf der Bühne, im Proberaum, in der Öffentlichkeitsarbeit oder im Dialog mit Fördermittelgebenden. Die Handreichung bündelt Er­gebnisse eines breiten Austauschs zwischen Akteur*innen der Freien Darstellenden Künste aus Ostdeutschland, Polen, Tschechien und den Niederlanden. Als wertebasierter Impulsgeber regt diese Broschüre an, eigene Erfahrungen zu reflektieren, Arbeitsweisen weiterzuentwickeln und sich mithilfe der gesammelten weiterführenden Literatur sowie über Beratungsstellen zu informieren. Auf der Internetseite findet sich zudem ein Padlet als Einladung zur gemeinsamen Weiterarbeit und Aktualisierung.

Verbund Mitte:Ost Freie Darstellende Künste (2025): Gestalten & Standhalten. Ein Toolkit für Kunst im Spannungsfeld politischer Realitäten. Dresden, 30 S.


Das wiederaufgebaute Bundesbüdchen ist ein Kiosk im Pavillion-Stil der 1950er Jahre im ehemaligen Bonner Regierungsviertel.
© Rasectos, CC BY-SA 4.0

Weg der Demokratie

65 Orte, eine Demokratie

Was hat ein zoologisches Forschungsmuseum mit den Anfängen der Demokratie zu tun? Und wo wurde das Grundgesetz unterzeichnet? Die Rundgänge und Touren auf dem „Weg der Demokratie“ in Bonn und Umgebung erinnern an wichtige Orte der deutschen Demokratiegeschichte: vom Bundeshaus über den „Langen Eugen“ bis zur Villa Hammerschmidt und zum Bundeskanzleramt. Insgesamt 65 Stationen umfasst der Weg. Tafeln informieren über Gebäude mit historisch-politischer Bedeutung und erzählen die Geschichte der jungen Demokratie in der Bundesstadt Bonn.

Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Weg der Demokratie

Die Ankündigungsgrafik „Kultur unter Druck“ zeigt stilisierte, übereinander gestapelte Blöcke mit den Wörtern „KULTUR UNTER DRUCK“. Darunter steht: „Kulturgespräche 2025. Frühjahr & Herbst 2025. Online via Zoom“. Rechts unten sind die Logos von LWL und LVR zu sehen.

Kultur unter Druck

Kulturgespräche als digitale Reihe

Die Bedeutung von Kultureinrichtungen als Fundament einer demokratischen Gesellschaft steht zunehmend im Fokus, insbesondere angesichts wachsender Herausforderungen durch antidemokratische Bewegungen und politische Anfeindungen. Um in dieser Zeit mehr Wissenstransfer zu ermöglichen, boten die Kulturdezernate der Landschaftsverbände Westfalen-Lippe und Rheinland gemeinsam die Veranstaltungsreihe „Kultur unter Druck – Kulturgespräche 2025“ im Frühjahr und Herbst 2025 an. Die einzelnen Vorträge sind als Videos im Netz verfügbar.

LWL Kultur: Kultur unter Druck – Kulturgespräche 2025

Für eine starke Demokratie

Umgang mit extremistischen und populistischen Akteuren

Die Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege NRW führt zwischen dem 16.06. und dem 24.11.2026 in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung NRW und dem NRW-Verfassungsschutz verschiedene Fortbildungsveranstaltungen online und in Präsenz durch. Ziel ist es, den Teilnehmenden das notwendige Rüstzeug zu vermitteln, um die eigene demokratische Haltung zu stärken und die Handlungssicherheit im Umgang mit extremistischen Ideologien und Akteuren zu erhöhen.

Caritas Campus: Für eine starke Demokratie – Handlungssicherheit im Umgang mit extremistischen und populistischen Akteuren

Fotostrecke: Mit Haltung in Bewegung

Zur Fotostrecke von Karsten Thormaehlen

In der Begegnung mit 100‑Jährigen entdeckte der Fotograf Karsten Thormaehlen vor rund 20 Jahren ein Thema, das ihn bis heute nicht loslässt. Sein Projekt „Jahrhundertmensch“ (2008) wurde zum Ausgangspunkt für ein umfangreiches fotografisches Werk über das Alter und seine Erscheinungsformen in unserer Gesellschaft. Die Bildsprache, die er dafür entwickelt hat, ist schnörkellos, reduziert und klar. „Ich will das Alter nicht beschönigen, aber auch nicht dramatisieren“, so Thormaehlen.

Für die Fotoausstellung „Wer rastet, der rostet!“ porträtierte Thormaehlen 2021 auf Einladung der Marie‑Luise und Ernst Becker Stiftung zwölf Sportler*innen, die im hohen Alter weiter sportlich aktiv sind, andere zu körperlicher Aktivität motivieren und die Freude am Sport an jüngere Generationen weitergeben. Traudel Bothor, inzwischen 92 Jahre alt, engagiert sich seit Jahrzehnten als Übungsleiterin im Turnverein Lahr und leitet das Angebot „Fit und gesund – 50 plus“. Ortwin Czarnowski war als aktiver Radrennsportler bei den Olympischen Spielen in Mexiko dabei. Als Lehrer rief er das „Rollende Klassenzimmer“ ins Leben. Die jährliche Fernradtour nach Berlin begleitet der inzwischen 85‑Jahrige auch in diesem Sommer. Ralf Brünig strebt in diesem Jahr den 8. Dan im Karate an. Er war lange Schulsportreferent im Deutschen Karate Verband und hat mit „Sound‑Karate“ eine spezielle Trainingsform für Kinder entwickelt. Der Sportfechter Joachim Janke ist mit 88 Jahren weiterhin ein ernst zu nehmender Gegner. Harald Petry ist bis heute Ansprechpartner für Senior Volley im saarländischen Volleyballverband, und Erika Schmelzer aus Eltville leitet mit 91 Jahren mehrere Seniorentanzgruppen. Vor so viel Engagement ziehen wir unseren Hut.

Weitere Informationen

Thormaehlen Photography: Wer rastet, der rostet!

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Mehr aus dieser Ausgabe

Zwei Frauen sitzen an einem Tisch und hören einer dritten Frau zu
  • Fachdiskurs

An Ihrer Seite – Das Beratungsangebot von kubia

Die kubia-Mitarbeiterinnen Imke Nagel, Dr.in Miriam Haller und Isabell Rosenberg geben einen Einblick in ihre Beratungsarbeit und in die Methoden und Formate, die sie dabei anwenden.

Cover des Fotobands Karneval im Altenheim. Ein als Sträfling kostümierter Mann spielt Trompete.
  • Interview

Im Alter fällt der Kitsch nicht so auf – Im Gespräch mit Thomas Schütte

Der Künstler Thomas Schütte hat die Fotoserie „Karneval im Altersheim" veröffentlicht, die in den 1970er während seines Zivildienstes entstanden ist. Im Interview spricht er über seine Erinnerungen an diese Zeit.

Buchtipp

Das Cover der Graphic Novel „War doch alles schön“ zeigt die Strichzeichnung einer Hand zeigt, die Sprühsahne auf ein Kuchenstück sprüht.

© Phenelopotete Verlag

Die Schichten der Vergangenheit

War doch alles schön

Die autobiografische Graphic Novel von Illustratorin Susanne Kuhlendahl und ihrem Sohn, dem Autor Kilian Kuhlendahl, beginnt mit einem gemeinsamen Besuch bei ihrer Mutter bzw. Großmutter Inge im Pflegeheim. Inge war erst neun Jahre alt, als sie in Krefeld den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erlebte. In „War doch alles schön“ spüren die Kuhlendahls Inges Erinnerungen an die Kriegsjahre nach. Durch das Zusammensetzen der Erzählungen rekonstruieren sie eine Kindheit im nationalsozialistischen Deutschland und begreifen, dass die Kriegserlebnisse ihrer Mutter und Großmutter bis in die eigenen Leben hineingewirkt haben.

Inges Erinnerungen an die Kinderlandverschickung etwa klangen in ihren frühen Erzählungen wie Erlebnisse im Ferienlager. Ihre Aufsätze und Notizen aus der Kindheit bieten jedoch eine andere Perspektive. Die Graphic Novel wechselt gekonnt zwischen verschiedenen Ebenen: den Erlebnissen der Kriegszeugin, den Erinnerungen des Autor*innen-Teams an die Erzählmomente mit Inge sowie deren Reflexion und historischen Einordnung. Wie haben der Nationalsozialismus und dessen Denk- und Handlungsmaximen die Mutter und Großmutter beeinflusst? Welche Erzählungen haben in der Familie dominiert? Was wurde ausgespart?

Die Auseinandersetzung mit Inges Vergangenheit macht deutlich, dass Verdrängung und Konfliktvermeidung lebenslang für sie als Schutzstrategien fungierten. Eine Erkenntnis, die der Illustratorin ermöglicht, Frieden mit ihrer Mutter zu schließen.

Weitere Informationen

Susanne und Kilian Kuhlendahl (2024): War doch alles schön. Tönisvorst: Phenelopotete. 122 S. ISBN: 978-3-9821450-9-9

Susanne Kuhlendahl

Kilian Kuhlendahl

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Lieblingsstück

Die Grafik zeigt einen Umschlag mit einer 95-Cent-Sonderbriefmarke mit einem Schwarz-Weiß-Porträt der hochbetagten Margot Friedländer. Auf der Marke steht: „Margot Friedländer 1921–2025 Deutschland“ und das Zitat: „Schaut nicht auf das, was euch trennt. Schaut auf das, was euch verbindet. Seid Menschen, seid vernünftig.“ Auf dem Umschlag sind zwei Poststempel aus Berlin und Bonn zu sehen, die den Text: „Erstausgabe 4.12.2025“ und die Zitate „Seid Menschen!“ und „Es darf nie wieder geschehen!“ enthalten.

© Gestaltung: Andrea Voß-Acker | Foto: picture-alliance / photothek.de / Florian Gaertner

Die Margot-Friedländer-Briefmarke

Die Bundesrepublik Deutschland widmet Margot Friedländer posthum eine Sonderbriefmarke, die seit Ende vergangenen Jahres bundesweit erhältlich ist. Die Marke zeigt ein Porträt Friedländers in Verbindung mit einem ihrer bekanntesten Zitate: „Schaut nicht auf das, was euch trennt. Schaut auf das, was euch verbindet. Seid Menschen, seid vernünftig.“ Gestaltet wurde die Briefmarke von der Wuppertaler Designerin Andrea Voß-Acker. Sie sagt dazu: „Der Entwurf ist aus der Auseinandersetzung mit der Haltung Friedländers entstanden. Mich hat beeindruckt, mit welcher Klarheit und Menschlichkeit Margot Friedländer spricht.“

Dr.in h. c. Margot Friedländer (1921 bis 2025) war eine der letzten Überlebenden des Holocaust und eine prägen­de Stimme gegen Antisemitismus und für Menschlichkeit. Geboren als Anni Margot Bendheim in Berlin, überlebte sie Verfolgung, Deportation und das Konzentrationslager Theresienstadt und verlor nahezu ihre gesamte Familie. Nach dem Krieg emigrierte sie in die USA, kehrte jedoch 2010 nach Berlin zurück, um als Zeitzeugin über ihre Erlebnisse zu sprechen – stets mit dem zentralen Appell, aus der Geschichte Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Die Briefmarke ist eine Möglichkeit, auf dem Postweg Haltung zu zeigen.

Weitere Informationen

Margot Friedländer Stiftung

Andrea Voß-Acker – Kommunikationsdesign

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Weitere Ausgaben von Kulturräume+

Die Grafik bildet das Cover des kubia-Magazin Kulturräume+ Nr. 30 im Anschnitt ab. Das Titelfoto zeigt einen älteren Mann im Fechtanzug in aufrechtstehender Haltung. Er blickt geradeaus und hält einen Degen so in der Hand, dass die Klinge sich senkrecht vor seiner Nase befindet.
  • Magazin
  • 2026

Haltung zeigen! Kulturelle Demokratiebildung im Alter

Die Demokratie steht unter Druck, autoritäre Tendenzen gewinnen an Boden und verletzliche Gruppen werden als „Belastung“ gelabelt. Deshalb rät der Journalist Jürgen Wiebicke, wie Sportler*innen an der eigenen Haltung zu arbeiten und den Demokratiemuskel zur trainieren. Was können Kulturgeragogik und inklusive Kulturarbeit zu diesem Training beitragen? Die Beiträge in dieser Ausgabe zeigen, wie Kultur Erfahrungsräume öffnen kann, in denen Vielfalt, Partizipation und demokratische Prozesse im kreativen Tun erlebt und (um-)gestaltet werden können.

Das Cover der 29. Ausgabe des kubia-Magazins Kulturräume+ zeigt fünf ältere fünf Personen in einem realitätsnahen Comic-Stil, zwei von ihnen sitzen in Rollstühlen. Darunter steht „Superhelden mit Rollator – Die fantastischen Fliedners“ und weiter unter der Magazin-Titel „We care! Sorge und Solidarität in Kunst und Kultur“.
  • Magazin
  • 2025

We care! Sorge und Solidarität in Kunst und Kultur

Während die Pflege selbst zum Pflegefall erklärt wird, werden die Rufe nach einer neuen Kultur der Sorge lauter – weg von der individuellen Last, hin zu einer solidarischen Praxis der Für- und Selbstsorge. Diese Ausgabe zeigt, welche Beiträge die Künste, Kunst- und Kultureinrichtungen sowie kulturgeragogische Angebote für diese neue Care-Kultur leisten.

Die Grafik bildet das Cover des kubia-Magazin Kulturräume+ Nr. 28 im Anschnitt ab. Das Titelfoto zeigt eine Person, die ihre Zunge herausstreckt und an einem blau-gelben Spülschwamm zu lecken scheint, welcher ähnlich einem Eis am Stiel auf einem Holzstab steckt.
  • Magazin
  • 2025

Zur Sache: Kulturgeragogik der Dinge

In dieser Ausgabe geht’s zur Sache: Wir beschäftigen uns mit den Dingen und ihrer Rolle in der Kulturgeragogik. Im Alter tauchen „Dingsda“ und „Dingsbums“ schon mal häufiger auf, wenn uns etwas entfallen ist. Andererseits wecken Dinge wie Alltagsgegenstände, Kleidungsstücke oder Fotografien Erinnerungen, bringen uns zum Erzählen und verbinden uns mit anderen.

Das Cover der Kulturräume Nr. 27 zeigt eine Frau, die mit ihrer Jacke an dem Pfahl eines Verkehrsschildes verbunden ist. Neben ihr ist eine ältere Passantin zu sehen. Das Foto stammt aus der Performance „Dressing the City und mein Kopf ist ein Hemd #2“ von Angie Hiesl + Roland Kaiser.
  • Magazin
  • 2024

Bremer Stadtmusikant*innen – Kulturteilhabe und Altersarmut

Der Blick in die Säle vieler klassischer Kultureinrichtungen ist trügerisch: Obwohl dort oft ältere Menschen die Publikumsmehrheit bilden, sind unter den Älteren die kulturell Aktiven klar in der Minderheit. Wer arm ist, gehört besonders selten zu den regelmäßigen Kulturnutzer*innen. Im Fokus der 27. Ausgabe des kubia-Magazins steht die kulturelle Teilhabe von älteren Menschen, die an oder unter der Armutsgrenze leben.

Das Cover des kubia-Magazin-Ausgabe 26 mit einem Foto, das eine ältere Frau zeigt, die ein grünes langes Kleid trägt und von Blumen und Pflanzen umrankt ist, welche aus Textilmaterial gefertigt wurden.
  • Magazin
  • 2024

Vom Altweibersommer zu Queer Ageing – Feminismus in der Kulturgeragogik

Die 26. Ausgabe des kubia-Magazins fragt, wie der Feminismus wissenschaftliche Diskurse, kulturelle Praxis und weibliche Biografien geprägt hat.

Das Magaszincover zeigt ein Foto eines älteren Mannes, der ein Laurel-und-Hardy-T-Shirt mit der Beschriftung "Laurel & Hardy Museum Solingen" und eine Melone im Stil des Komiker-Duos trägt. In den Händen hält er eine Statue des Kopfes von Oliver Hardy und im Hintergrund sind weitere Figuren, Poster usw. von Laurel und Hardy zu sehen.
  • Magazin
  • 2023

Wunderkammern – Inklusive und altersfreundliche Museumsarbeit

Die 26. Ausgabe des kubia-Magazins fragt, wie der Feminismus wissenschaftliche Diskurse, kulturelle Praxis und weibliche Biografien geprägt hat.

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Porträt von Azina Barzideh vor magentafarbenem Hintergrund

Azina Barzideh