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Die Grafik bildet das Cover des kubia-Magazin Kulturräume+ Nr. 30 im Anschnitt ab. Das Titelfoto zeigt einen älteren Mann im Fechtanzug in aufrechtstehender Haltung. Er blickt geradeaus und hält einen Degen so in der Hand, dass die Klinge sich senkrecht vor seiner Nase befindet.

© Karsten Thormaehlen | Fotoausstellung „Wer rastet, der rostet!“ 2021, Joachim Janke, Sport- und Theaterfechter, Fechtgesellschaft Schwerin

Haltung zeigen! Kulturelle Demokratiebildung im Alter

Kulturräume+ Das kubia-Magazin #30
Ein älterer Mann sitzt auf einem Rennrad mit den Händen am Lenker und blickt lächelnd in die Kamera. Er trägt einen Fahrradhelm, eine blaue Jacke mit gelben Einsätzen und eine lange schwarze Radlerhose.

© Karsten Thormaehlen | Fotoausstellung „Wer rastet, der rostet!“ 2021,
Ortwin Czarnowski, Radrennfahrer und Erfinder des „Rollenden Klassenzimmers“

Editorial

Liebe Leser*innen,

das politische Klima wird rauer: Autoritäre Tendenzen gewinnen an Boden, und verletzliche Gruppen wie ältere oder pflegebedürftige Menschen sowie Menschen mit Behinderung werden zunehmend als „Belastung“ gelabelt. Exkludierende Sichtweisen gewinnen nicht nur im öffentlichen Diskurs an Bedeutung, sondern zeigen sich auch in politischen Entscheidungen – etwa in Sparmaßnahmen bei Inklusion oder im Kulturbereich. Was hilft angesichts dieser Herausforderungen gegen Verzagen und Mutlosigkeit? Wie stärken wir die Resilienz unserer Demokratie?

Demokratie ist mehr als eine Staatsform. Sie ist eine Lebensform, die in alltäglichen sozialen Praktiken, Kommunikationsprozessen und Bildungszusammenhängen verwirklicht wird. Sie ist auf unsere Beteiligung, Verantwortungsübernahme und gemeinschaftliches Handeln angewiesen. Der Journalist und Philosoph Jürgen Wiebicke empfiehlt, dass wir wie Sportler*innen an der eigenen Haltung arbeiten und den Demokratiemuskel trainieren, indem wir engagiert das Gemeinwesen mitgestalten. Was können Kulturgeragogik und inklusive Kulturarbeit zu diesem Training beitragen?

Zunächst ist das, wie der Sozialwissenschaftler Frank Schulz-Nieswandt in seinem Beitrag hervorhebt, eine Frage der professionellen und normativen Haltung: Zentral ist, dass sich die Kulturgeragogik ihrer Grundwerte vergewissert und ihre Verortung im demokratischen Sozialraum kontinuierlich reflektiert. Der aktuelle Demokratiebericht der Landeszentrale für politische Bildung NRW konstatiert, dass allein Menschen ab 60 noch als „Stütze der Demokratie“ erkennbar sind, während bei jüngeren Altersgruppen die Demokratiezufriedenheit regelrecht eingebrochen ist. Doch auch unter älteren Menschen gibt es immer häufiger Radikalisierungstendenzen. Der Gerontologe Tobias Müller hat dazu geforscht und appelliert in seinem Artikel an die Kulturgeragog*innen, mit der Politischen Bildung zur Prävention von rechter Radikalisierung älterer Menschen zu kooperieren.

Die weiteren Beiträge im Salon zeigen an konkreten kulturellen Projekten, wie Erfahrungsräume geöffnet werden können, in denen Vielfalt, Partizipation und demokratische Prozesse mit Kopf, Herz und Hand erfahren, erprobt und (um)gestaltet werden können. Dort lässt sich üben, Ambivalenzen nicht nur auszuhalten, sondern sie als Impuls zur kreativen Veränderung zu nutzen. Bestimmt sind die Künste und die Kulturelle Bildung kein Allheilmittel gegen antidemokratische Tendenzen. Es greift zu kurz, zur Lösung genuin politischer Probleme reflexhaft nach Kunst und Kulturarbeit zu rufen. Trotzdem tun wir alle gut daran, zum Erhalt der Demokratie und der Freiheit der Kunst die Kraft der kreativen Imagination durch Kulturelle Bildung zu stärken. Dass es keine Frage des Alters ist, Haltung zu zeigen, führt eindrucksvoll die Fotostrecke von Karsten Thormaehlen vor Augen.

Nur Mut wünscht
Das kubia-Team

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Ausgabe #30 zum Download

Lieber als PDF lesen oder für später speichern? Hier das barrierefreie PDF zur Ausgabe:

Kompetenzzentrum für Kulturelle Bildung im Alter und inklusive Kultur (Hrsg.) (2026): Haltung zeigen! Kulturelle Demokratiebildung im Alter. Kulturräume+. Das kubia-Magazin, Heft 30/2026. 52 Seiten, ISSN: 2193-6234.

Themenschwerpunkt: Kulturelle Demokratiebildung im Alter!

Eine älterer Mann steht barfuß in einer Karate-Pose mit gebeugten Knien und ausgestreckten Armen. Er trägt einen weißen Karateanzug mit rot-weißem Gürtel.
  • Fachdiskurs

Auf die Haltung kommt es an! Kulturgeragogik im demokratischen Sozialraum

Kein „Nice-to-have“, sondern Menschenrecht: Kulturgeragogische Angebote eröffnen Möglichkeitsräume zur Entwicklung der menschlichen Person im sozialen Miteinander.

Fotografie: Ältere Menschen tanzen paarweise auf einer Wiese.
  • Fachdiskurs

Saiten in der Seele anschlagen – Musikalische Gruppenangebote für Menschen mit Demenz

Begleitet von Franziska Heidemann und Kai Koch sind durch das Programm „Länger fit durch Musik!“ 43 Modellprojekte entstanden, die zum Wohlbefinden und zur Teilhabe von Menschen mit Demenz beitragen.

Fotografie: Eine ältere Frau und eine mittleren Alters, beide mit gemusterten Schürzen, betrachten gemeinsam eine analoge Kamera mit Ledertasche.
  • Fachdiskurs

Kulturelle Teilhabe als Qualitätsmerkmal – Wie Theater Pflege menschlicher und lebendiger macht

Die Theaterpädagogin und Wissenschaftlerin Jessica Höhn zeigt, wie künstlerische Angebote in der Pflege Begegnung ermöglichen und zu einer menschlicheren, würdevolleren Pflege beitragen können.

Fotografie: Ältere Personen und Kinder sitzen und stehen an einem festlich gedeckten Tisch. Vor ihnen liegen Gipsmasken.
  • Praxiseinblick

Der Tod geht ein und aus – Die Papillons machen Theater im Pflegewohnheim

Die PAPILLONS, ein Ensemble aus älteren Menschen mit und ohne Demenz, verwandeln das Pflegewohnheim „Am Kreuzberg“ in eine Bühne voller Leben, Musik und Begegnung über Generationen hinweg.

Fotografie: Retro-Radioempfänger und Retro-Bügeleisen auf einem gedeckten Tisch mit Kaffeetasse. Mehrere Personen unterschiedlichen Alters sitzen am Tisch.
  • Praxiseinblick

Alltag weckt Erinnerung – Ein Begegnungsangebot für Menschen mit Demenz und ihre Pflegenden

Das partizipative Projekt „Alltag weckt Erinnerung“ nutzt Koffer mit Alltagsgegenständen aus der DDR, um Menschen mit und ohne Demenz miteinander in Kontakt zu bringen.

Fotografie: Mehrere Personen stehen um weiße, kopflose Puppen herum und betrachten sie.
  • Praxiseinblick

Who Cares? Fürsorge in der Bürger*innenoper Dortmund

In der Bürger*innenoper Dortmund bringen ältere Sängerinnen ihre Erfahrungen mit Fürsorge, Familie und Pflege in der Opernproduktion „Who cares?" künstlerisch auf die Bühne.

Fotografie: Ältere Frau im Rollstuhl malt an einem großen, farbigen Stadtbild auf einem Tisch mit Malutensilien. Weitere Personen stehen und sitzen neben ihr.
  • Porträt

Superheld*innen im Pflegeheim – Ein Porträt des Kunstgeragogen Kay Strathus

Kay Strathus ist Künstler und arbeitet als Kunstgeragoge in einem Pflegeheim. Dabei bringt er Menschen mit Demenz und körperlichen Einschränkungen ins kreative Tun. kubia-Mitarbeiter Christoph Brammertz stellt ihn vor.

Fotografie: Älterer Mann mit Strickmütze und junge Frau mit Stirnband, beide tragen eine rote Clownsnase.
  • Praxiseinblick

Zirkusreif – Manege frei in finnischen Pflegeheimen

Zirkus im Pflegeheim? Für die finnische Forscherin und Kulturvermittlerin Pilvi Kuitu ist das mehr als Unterhaltung. Es ist ein Weg zu kultureller Teilhabe, Lebensfreude und Wohlbefinden im Alter.

Tipps zum Themenschwerpunkt

Cover der Publikation „Haltung als Prinzip. Durch Kulturelle Bildung Demokratie stärken“

Haltung als Prinzip

Durch Kulturelle Bildung Demokratie stärken

Kann und darf Kulturelle Bildung politisch wirksam sein? In einer Zeit gesellschaftlich-politischer Verunsicherungen ist das eine Frage, die viele Tätige in der Kulturellen Bildung umtreibt. Das Projekt „KuBiDemo. Kulturelle Bildung als Praxis der Demokratiebildung“ der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel ist von 2023 bis 2025 solchen Fragen nachgegangen. Die Veröffentlichung der Projektergebnisse gibt wertvolle Einblicke und Anregungen für die eigene Praxis und beinhaltet einen Reflexionsbogen, mit dem sich die eigene Bildungsarbeit kritisch überprüfen lässt.

Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel (Hrsg.) (2025): Haltung als Prinzip. Durch Kulturelle Bildung Demokratie stärken (PDF) . Wolfenbüttel, 61 S.


Cover der Publikation „Zwischentöne erkennen“ mit Informationen über den Umgang mit extremistischen Tendenzen in Amateurmusikvereinen, mit bunten Violinschlüssel-Symbolen und dem BMCO-Logo.

Zwischentöne erkennen

Handlungssicherheit bei extremistischen Tendenzen

Das praxisnahe Arbeitsheft macht Musikverbänden, -vereinen und Ensemblemitgliedern Mut, sich mit rechtlichen Fragen auseinanderzusetzen und Haltung zu zeigen, um ein engagiertes, offenes und inklusives Vereinsleben zu erhalten. Das Heft bietet Orientierung und Praxiswissen, benennt amateurmusikspezifische Herausforderungen und enthält einen Selbstcheck für Vereine. Außerdem enthält es Mustervorlagen für Vereinssatzungen sowie Hausordnungen.

BMCO (Bundesmusikverband Chor und Orchester) (Hrsg.) (2025): Zwischentöne erkennen – Handlungssicherheit bei extremistischen Tendenzen (PDF). Orientierung, Praxiswissen und rechtliche Grundlagen. Trossingen, 44 S.


Das Cover der Publikation „Gesellschaft im Wandel. Politische Bildung für Seniorinnen und Senioren gestalten. Praxisleitfaden für die Bildungsarbeit mit älteren Menschen“ zeigt zwei ältere Frauen mit Fahnen, die das Symbol der Klimabewegung „Extinction Rebellion“ zeigen. Auf einer Fahne steht zudem „STOP THE HARM“. Eine Frau trägt eine bunte Schutzmaske.

Gesellschaft im Wandel

Praxisleitfaden für die politische Bildungsarbeit mit älteren Menschen

Die im Durchschnitt stark ausgeprägte politische Teilhabe älterer Menschen sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es innerhalb der Gruppe der Älteren große Unterschiede bei der politischen Beteiligung gibt und dass einzelne Bevölkerungsgruppen nur in sehr geringem Maße am politischen Leben teilhaben. Ungleichheiten in der politischen Bildung und Partizipation aus jüngeren Jahren verstärken sich im Alter weiter. Die Servicestelle Bildung und Lernen im Alter der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) e. V. hat einen Praxisleitfaden zur Politischen Bildung für ältere Menschen herausgegeben.

BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen) (Hrsg.) (2025): Gesellschaft im Wandel. Politische Bildung für Seniorinnen und Senioren gestalten. Praxisleitfaden für die Bildungsarbeit mit älteren Menschen (PDF). Bonn, 20 S.


Das Cover der Publikation „3. Demokratiebericht. Mitte(n) unter Druck. Bericht zur Lage der Demokratie und der politischen Bildung in Nordrhein-Westfalen 2025“ zeigt eine grafische Darstellung eines Schraubstocks, der ein Geschenkpaket mit der Aufschrift „Demokratie“ zusammendrückt. Auf dem Schraubstock steht „Krisen“, „Zukunftsangst“ und „Sorgen“. Darüber sind das Logo der Landeszentrale für politische Bildung NRW und das Landeswappen.

Mitte(n) unter Druck

Bericht zur Lage der Demokratie und der politischen Bildung in NRW

Der aktuelle Bericht zur Lage der Demokratie und der politischen Bildung in Nordrhein-Westfalen zeigt, dass bei den jüngeren Altersgruppen die Demokratiezufriedenheit im Vergleich zum 2. Demokratiebericht regelrecht eingebrochen ist. Auch die Demokratiezufriedenheit in der Lebensmitte, also bei den 30- bis 44-Jährigen, bröckelt, wird aber durch den Einbruch in den jüngeren Altersgruppen in den Schatten gestellt. Nur die älteren Altersgruppen ab 60 sind laut Bericht noch „als Stützen der Demokratie erkennbar“.

LpB NRW (Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen) (2026): 3. Demokratiebericht. Mitte(n) unter Druck. Bericht zur Lage der Demokratie und der politischen Bildung in Nordrhein-Westfalen 2025 (PDF). Düsseldorf, 133 S.


Cover der Zeitschrift Hessische Blätter für Volksbildung, Zeitschrift für Erwachsenenbildung in Deutschland, Ausgabe 2/2025 mit dem Titel „Politische Bildung – Neue Wege, neue Möglichkeiten“.

Politische Erwachsenenbildung

Neue Wege, neue Möglichkeiten

Die gegenwartsdiagnostischen Einschätzungen eines Krisenzeitalters, einschließlich seiner spezifischen Ursachen und Manifestationen wie Klimawandel, Corona- Pandemie, Ukraine-Krieg, Nahost-Konflikt, Rechtsruck und steigender Antisemitismus, erfordern eine Reflexion in der politischen Erwachsenenbildung. Das Heft thematisiert den aktuellen Stand des Bereichs und legt seinen Fokus zudem auf die notwendigen Entwicklungslinien im Kontext globaler gesellschaftlicher Herausforderungen. Dabei werden innovative Wege hinsichtlich der Zielgruppenansprache und neue methodische Formate diskutiert.

HVV (Hessischer Volkshochschulverband) (Hrsg.) (2025): Politische Bildung – Neue Wege, neue Möglichkeiten (Open Access). Hessische Blätter für Volksbildung, Heft 22.


Das Cover des Buches „Liebe! Ein Aufruf“ von Daniel Schreiber zeigt eine Aquarell-Bild mit bunten, ineinander verlaufenden Farbflächen. Rechts ist ein Aufkleber mit „SPIEGEL Bestseller“.

Liebe zur Demokratie

Aufruf zum Widerstand

Daniel Schreibers neues Buch „Liebe! Ein Aufruf“ beschwört die Liebe als Gegenmittel zur Polarisierung der Gesellschaft und zur Zerstörung des Planeten. Schreiber ruft gegen Hass und Gewalt zur Rückbesinnung auf die Idee der Liebe als politische Kraft auf. Anhand politischer, philosophischer und sozialhistorischer Beispiele zeigt er, dass diese Vorstellung die größten politischen Revolutionen angestoßen hat. Ein Buch, das zu Widerstand motivieren und Trost geben will.

Daniel Schreiber (2025): Liebe! Ein Aufruf. Berlin: Hanser, 160 S., ISBN: 978-3-446-70074-1

Die Ankündigungsgrafik „Kultur unter Druck“ zeigt stilisierte, übereinander gestapelte Blöcke mit den Wörtern „KULTUR UNTER DRUCK“. Darunter steht: „Kulturgespräche 2025. Frühjahr & Herbst 2025. Online via Zoom“. Rechts unten sind die Logos von LWL und LVR zu sehen.

Kultur unter Druck

Kulturgespräche als digitale Reihe

Die Bedeutung von Kultureinrichtungen als Fundament einer demokratischen Gesellschaft steht zunehmend im Fokus, insbesondere angesichts wachsender Herausforderungen durch antidemokratische Bewegungen und politische Anfeindungen. Um in dieser Zeit mehr Wissenstransfer zu ermöglichen, boten die Kulturdezernate der Landschaftsverbände Westfalen-Lippe und Rheinland gemeinsam die Veranstaltungsreihe „Kultur unter Druck – Kulturgespräche 2025“ im Frühjahr und Herbst 2025 an. Die einzelnen Vorträge sind als Videos im Netz verfügbar.

LWL Kultur: Kultur unter Druck – Kulturgespräche 2025

Für eine starke Demokratie

Umgang mit extremistischen und populistischen Akteuren

Die Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege NRW führt zwischen dem 16.06 und dem 24.11.2026 in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung NRW und dem NRW-Verfassungsschutz verschiedene Fortbildungsveranstaltungen online und in Präsenz durch. Ziel ist es, den Teilnehmenden das notwendige Rüstzeug zu vermitteln, um die eigene demokratische Haltung zu stärken und die Handlungssicherheit im Umgang mit extremistischen Ideologien und Akteuren zu erhöhen.

Caritas Campus: Für eine starke Demokratie – Handlungssicherheit im Umgang mit extremistischen und populistischen Akteuren

Das wiederaufgebaute Bundesbüdchen ist ein Kiosk im Pavillion-Stil der 1950er Jahre im ehemaligen Bonner Regierungsviertel.
© Rasectos, CC BY-SA 4.0

Weg der Demokratie

65 Orte, eine Demokratie

Was hat ein zoologisches Forschungsmuseum mit den Anfängen der Demokratie zu tun? Und wo wurde das Grundgesetz unterzeichnet? Die Rundgänge und Touren auf dem „Weg der Demokratie“ in Bonn und Umgebung erinnern an wichtige Orte der deutschen Demokratiegeschichte: vom Bundeshaus über den „Langen Eugen“ bis zur Villa Hammerschmidt und zum Bundeskanzleramt. Insgesamt 65 Stationen umfasst der Weg. Tafeln informieren über Gebäude mit historisch-politischer Bedeutung und erzählen die Geschichte der jungen Demokratie in der Bundesstadt Bonn.

Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Weg der Demokratie


 

Fotostrecke: Mit Haltung in Bewegung

Zur Fotostrecke von Karsten Thormaehlen

In der Begegnung mit 100‑Jährigen entdeckte der Fotograf Karsten Thormaehlen vor rund 20 Jahren ein Thema, das ihn bis heute nicht loslässt. Sein Projekt „Jahrhundertmensch“ (2008) wurde zum Ausgangspunkt für ein umfangreiches fotografisches Werk über das Alter und seine Erscheinungsformen in unserer Gesellschaft. Die Bildsprache, die er dafür entwickelt hat, ist schnörkellos, reduziert und klar. „Ich will das Alter nicht beschönigen, aber auch nicht dramatisieren“, so Thormaehlen.

Für die Fotoausstellung „Wer rastet, der rostet!“ porträtierte Thormaehlen 2021 auf Einladung der Marie‑Luise und Ernst Becker Stiftung zwölf Sportler*innen, die im hohen Alter weiter sportlich aktiv sind, andere zu körperlicher Aktivität motivieren und die Freude am Sport an jüngere Generationen weitergeben. Traudel Bothor, inzwischen 92 Jahre alt, engagiert sich seit Jahrzehnten als Übungsleiterin im Turnverein Lahr und leitet das Angebot „Fit und gesund – 50 plus“. Ortwin Czarnowski war als aktiver Radrennsportler bei den Olympischen Spielen in Mexiko dabei. Als Lehrer rief er das „Rollende Klassenzimmer“ ins Leben. Die jährliche Fernradtour nach Berlin begleitet der inzwischen 85‑Jahrige auch in diesem Sommer. Ralf Brünig strebt in diesem Jahr den 8. Dan im Karate an. Er war lange Schulsportreferent im Deutschen Karate Verband und hat mit „Sound‑Karate“ eine spezielle Trainingsform für Kinder entwickelt. Der Sportfechter Joachim Janke ist mit 88 Jahren weiterhin ein ernst zu nehmender Gegner. Harald Petry ist bis heute Ansprechpartner für Senior Volley im saarländischen Volleyballverband, und Erika Schmelzer aus Eltville leitet mit 91 Jahren mehrere Seniorentanzgruppen. Vor so viel Engagement ziehen wir unseren Hut.

Weitere Informationen

Thormaehlen Photography: Wer rastet, der rostet!

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Mehr aus dieser Ausgabe

Der kubia-Qualitätsstern präsentiert in zwölf, kräftig bunt quarellierten Strahlen die Qualitätsdimensionen der Kulturgeragogik. .
  • Fachdiskurs

Strahlkraft der Kulturgeragogik – Der kubia-Qualitätsstern als Arbeitshilfe für kulturelle Bildungsangebote im Alter

Der kubia-Qualitätsstern wurde in einem partizipativen Prozess mit Kulturgeragog*innen überarbeitet und weiterentwickelt. Er soll als Arbeitshilfe dienen und präsentiert zentrale Leitlinien der Kulturgeragogik.

Eine ältere lachende Frau steht vor einem Flipchart und klebt eine orange Haftnotiz-Karte darauf. Auf der Karte steht „Empathie“.
  • Praxiseinblick

Alter(n) mit Zukunft – Ein Erlebnisbericht von der Weiterbildung Kulturgeragogik

Clara Hense, Weiterbildungsreferentin des Kulturgetriebes e. V., berichtet über den Weiterbildungskurs Kulturgeragogik 2025.

Tipps

23. Buchcover: Illustration des Bilderbuchs „Die Böckchen-Bande im Altersheim“. Großes Hauses mit Schornsteinen, davor drei Ziegen und weitere Tiere. Schild: „Willkommen im Haus Waldfrieden“.

© Klett Kinderbuch

Anarchie in Haus Waldfrieden

Bilderbuch-Tipp: Die Böckchen-Bande im Altersheim

Endlich Ferien! Doch die Böckchen-Bande hat nichts Besseres im Sinn, als wieder den üblichen Alm-Ausflug mit Waffeln und ein bisschen Troll-Ärgern zu machen. Nur – der alte Troll hockt diesmal nicht unter seiner Brücke. Der wohnt neuerdings im Altersheim. Spontan beschließen die Böckchen, ihn zu besuchen – und sie kommen genau zur rechten Zeit, denn der fiese Troll sorgt dort für ordentlich Aufregung.

In Norwegen haben die drei Ziegenbrüder und ihr Widersacher, der Troll, mittlerweile Star-Status. Der dritte Band der „Wimmelbücher des Wahnsinns“, fantasievoll in Filzstift-Optik illustriert von der vielfach ausgezeichneten Grafikerin Gry Moursund und mit witzigen Plots und Texten des bekannten Kinderbuchautors Björn Rörvik, widmet sich einem Thema, das in der Kinderliteratur eher selten vorkommt: Das Altersheim. In Haus Waldfrieden ist Schluss mit „Trautes Heim, Glück allein“, denn der eigensinnige Troll versetzt alle in Angst und Schrecken. Das Pflegepersonal ist hilflos – einen 300-Jährigen einfach vor die Tür setzen? Keine Chance!

Also greifen die Böckchen zu drastischen Mitteln. Geragogisch wertvoll? Eher nicht. Aber auf jeden Fall sehr lustig. Dreimal bäh, bäh, bäh für die Böckchen-Bande!

Weitere Informationen

Gry Moursund und Björn Rörvik (2019): Die Böckchen-Bande im Altersheim. Aus dem Norwegischen von Monika Osberghaus. Leipzig: Klett Kinderbuch, 48 S., ISBN 9783954702046

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Über einer Sofalehne liegt ein in eine Decke eingehülltes Bein.

© Deutschlandradio/Philipp Lemmerich

„Bei uns ist jeden Morgen Welturaufführung“

Podcast-Tipp: Gammel-Oasen Im Pflegeheim

Um diesen Podcast zu hören, sollte man es sich bequem machen und einen Gang runterschalten. Wir begeben uns in die Welt der „Gammel-Therapie“. Philipp Lemmerich war für den Deutschlandfunk zu Besuch im Julie-Kolb-Seniorenzentrum, einer AWO-Einrichtung im nordrhein-westfälischen Marl. Dort nennt sich einer der Wohnbereiche „Gammel-Oase“. Hier geben Menschen mit Demenz den Takt vor. Es gibt keine festen Essenszeiten, keine strengen Tagesabläufe, keine unumstößlichen Regeln. Dahinter steht ein durchdachtes Konzept, das die Bedürfnisse der Bewohner*innen ernst nimmt und ihre Autonomie bewahren möchte.

Einer der Grundsätze in der „Gammel-Oase“ lautet: Was heute funktioniert hat, kann morgen wie­der ganz anders sein. Wer um 22 Uhr frühstücken möchte, bekommt auch zu dieser Zeit das Frühstück. Statt einer Hausordnung gibt es eine Hausunordnung.

Dr. Stephan Kostrzewa, examinierter Altenpfleger, Sozial- und Pflegewissenschaftler, ist der Ideen­geber der „Gammel-Oase“. In seiner Jugend war er Punk. Ihn interessieren Menschen mit Demenz auch deshalb, weil sie sich nicht an Konventionen halten. Kostrzewa bezweifelt, dass Menschen mit Demenz in besonderer Weise Strukturen brauchen. Vielmehr glaubt er, dass die festen Strukturen und Settings im Pflegeheim selbst oft das herausfordernde Verhalten von Menschen mit Demenz beeinflussen.

Im Team der „Gammel-Oase“ wird nach der Verstehens-Hypothese gearbeitet: Die Mitarbeitenden fragen sich, warum Bewohner*innen so handeln, wie sie handeln. Oft finden sie einen Grund, viele der Bewohner*innen beruhigen sich – manchmal brauchen sie sogar weniger Medikamente, wie im Podcast berichtet wird. Ein paar Grenzen müssen gewahrt bleiben: Das betrifft die medizinische und die pflegerische Versorgung, zum Beispiel bei Inkontinenz. Doch wer sagt denn eigentlich, wie oft man sich duschen muss?

„Man muss schon ein bisschen Punk sein, um dieses Konzept der ‚Gammel-Oase‘ auch wirklich in dieser Radikalität umzusetzen“, glaubt Kostrzewa. Um darüber nachzusinnen, geh ich jetzt erstmal gammeln.

Philipp Lemmerich: Pflegeheim „Gammel-Oase“: Warum Nichtstun oft die beste Pflege ist, Deutschlandfunk Kultur, 8. Juni 2025, 33:32 Minuten.

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Lieblingsstück

Auto mit abstraktem Muster auf der Karosserie, geparkt vor einem Gebäude mit Glasfassade. Über der Eingangstür steht der Schriftzug „Yes we care“.

© Miriam Haller

Care-Auto

Dass wir mal ein Auto zum Lieblingsstück einer Kulturräume+-Ausgabe küren, hätten wir uns wohl nicht träumen lassen. Doch mit diesem Auto hat es etwas Besonderes auf sich: Das Auto ist Teil der Ausstellung „Yes, we care. Das Neue Frankfurt und die Frage nach dem Gemeinwohl“ im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main. Die Komponisten Marc Behrens und Hannes Seidl nehmen darin das Publikum mit auf den Audiodrive „Eure Welt“. Eingehüllt in eine Soundwolke aus heilenden, entschleunigenden Frequenzen und Interview-Collagen mit Pflegekräften begeben sich die Besucher*innen auf eine Rundfahrt durch die Stadt. Der Audiodrive bietet den Beifahrer*innen Einblicke in den oft harten Alltag mobiler Pfleger*innen, die mit dem Auto von Tür zu Tür hetzen, und kontrastiert deren enge zeitliche Taktung mit einer sphärischen Klanginstallation.

Im Auto soll es „zwischen Klangschalen und Bettpfannen oszillieren“, versprechen die Künstler. In jedem Fall regt der Audiodrive Gedanken, Fragen und Gespräche an: Was bedeutet uns Fürsorgearbeit heute? Und wie sieht es eigentlich mit der (Selbst-)Fürsorge der Pflegenden aus? In welchem Verhältnis stehen Pflegearbeit und die boomende Wellness- und Self-Care-Branche?

Noch bis Mitte Januar 2026 starten mittwochs, samstags und sonntags zwei Autos vom Museum aus in den Frankfurter Stadtraum. Die Fahrten dauern ungefähr 50 Minuten. Darüber hinaus können Besucher*innen die beiden Autos als Installation im Hof vom Museum Angewandte Kunst bewundern.

Weitere Informationen

Museum Angewandte Kunst: Eure Welt – Ein Audiodrive

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Weitere Ausgaben von Kulturräume+

Das Cover der 29. Ausgabe des kubia-Magazins Kulturräume+ zeigt fünf ältere fünf Personen in einem realitätsnahen Comic-Stil, zwei von ihnen sitzen in Rollstühlen. Darunter steht „Superhelden mit Rollator – Die fantastischen Fliedners“ und weiter unter der Magazin-Titel „We care! Sorge und Solidarität in Kunst und Kultur“.
  • Magazin
  • 2025

We care! Sorge und Solidarität in Kunst und Kultur

Während die Pflege selbst zum Pflegefall erklärt wird, werden die Rufe nach einer neuen Kultur der Sorge lauter – weg von der individuellen Last, hin zu einer solidarischen Praxis der Für- und Selbstsorge. Diese Ausgabe zeigt, welche Beiträge die Künste, Kunst- und Kultureinrichtungen sowie kulturgeragogische Angebote für diese neue Care-Kultur leisten.

Die Grafik bildet das Cover des kubia-Magazin Kulturräume+ Nr. 28 im Anschnitt ab. Das Titelfoto zeigt eine Person, die ihre Zunge herausstreckt und an einem blau-gelben Spülschwamm zu lecken scheint, welcher ähnlich einem Eis am Stiel auf einem Holzstab steckt.
  • Magazin
  • 2025

Zur Sache: Kulturgeragogik der Dinge

In dieser Ausgabe geht’s zur Sache: Wir beschäftigen uns mit den Dingen und ihrer Rolle in der Kulturgeragogik. Im Alter tauchen „Dingsda“ und „Dingsbums“ schon mal häufiger auf, wenn uns etwas entfallen ist. Andererseits wecken Dinge wie Alltagsgegenstände, Kleidungsstücke oder Fotografien Erinnerungen, bringen uns zum Erzählen und verbinden uns mit anderen.

Das Cover der Kulturräume Nr. 27 zeigt eine Frau, die mit ihrer Jacke an dem Pfahl eines Verkehrsschildes verbunden ist. Neben ihr ist eine ältere Passantin zu sehen. Das Foto stammt aus der Performance „Dressing the City und mein Kopf ist ein Hemd #2“ von Angie Hiesl + Roland Kaiser.
  • Magazin
  • 2024

Bremer Stadtmusikant*innen – Kulturteilhabe und Altersarmut

Der Blick in die Säle vieler klassischer Kultureinrichtungen ist trügerisch: Obwohl dort oft ältere Menschen die Publikumsmehrheit bilden, sind unter den Älteren die kulturell Aktiven klar in der Minderheit. Wer arm ist, gehört besonders selten zu den regelmäßigen Kulturnutzer*innen. Im Fokus der 27. Ausgabe des kubia-Magazins steht die kulturelle Teilhabe von älteren Menschen, die an oder unter der Armutsgrenze leben.

Das Cover des kubia-Magazin-Ausgabe 26 mit einem Foto, das eine ältere Frau zeigt, die ein grünes langes Kleid trägt und von Blumen und Pflanzen umrankt ist, welche aus Textilmaterial gefertigt wurden.
  • Magazin
  • 2024

Vom Altweibersommer zu Queer Ageing – Feminismus in der Kulturgeragogik

Die 26. Ausgabe des kubia-Magazins fragt, wie der Feminismus wissenschaftliche Diskurse, kulturelle Praxis und weibliche Biografien geprägt hat.

Das Magaszincover zeigt ein Foto eines älteren Mannes, der ein Laurel-und-Hardy-T-Shirt mit der Beschriftung "Laurel & Hardy Museum Solingen" und eine Melone im Stil des Komiker-Duos trägt. In den Händen hält er eine Statue des Kopfes von Oliver Hardy und im Hintergrund sind weitere Figuren, Poster usw. von Laurel und Hardy zu sehen.
  • Magazin
  • 2023

Wunderkammern – Inklusive und altersfreundliche Museumsarbeit

Die 26. Ausgabe des kubia-Magazins fragt, wie der Feminismus wissenschaftliche Diskurse, kulturelle Praxis und weibliche Biografien geprägt hat.

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Porträt von Azina Barzideh vor magentafarbenem Hintergrund

Azina Barzideh