Die 30. Ausgabe des kubia-Magazins Kulturräume+ zeigt, wie kulturgeragogische Praxis Erfahrungsräume eröffnet, in denen demokratisches Miteinander, Empathie und Vielfalt erlebt, erprobt und gestaltet werden können.
Demokratie ist mehr als eine Staatsform. Sie verwirklicht sich in alltäglichen alltäglichen sozialen Praktiken, Kommunikationsprozessen und Bildungszusammenhängen. Sie lebt von Engagement, Verantwortungsübernahme und der Bereitschaft, unterschiedliche Perspektiven auszuhalten. Deshalb rät der Journalist Jürgen Wiebicke, den „Demokratiemuskel“ zu trainieren und wie Sportler*innen an der eigenen Haltung zu arbeiten. Die neue Ausgabe von Kulturräume+ fragt, was Kulturgeragogik und inklusive Kulturarbeit zu diesem Training beitragen können.
Der Gerontologe Tobias Müller sieht in der Kulturellen Bildung ein wirksames Mittel gegen politische Radikalisierung im Alter. Mit ihren „Mitteln der ästhetischen Selbsttätigkeit und kreativen Artikulation“ könne sie Räume für Reflexion, Dialog und Perspektivwechsel schaffen. Kulturgeragog*innen lädt er dazu ein, sich stärker der politischen Bildung und der Radikalisierungsprävention anzunehmen.
Der Sozialwissenschaftler Frank Schulz-Nieswandt plädiert für eine Gesellschaft, in der ältere Menschen nicht nur versorgt, sondern kulturell, sozial und demokratisch beteiligt werden. Kulturgeragogische Angebote hält er für einen elementaren Bestandteil einer Politik der lokalen Demokratie und der sozialen Inklusion in der Kommune.
Welche Wirkung kulturelle Projekte konkret entfalten können, zeigen Praxisbeispiele aus Deutschland und Österreich. Die Theatermacherin Katrin Maiwald beschreibt beispielsweise, wie der von ihr gegründete Leipziger „Rat der Generationen“ Begegnungen zwischen Jung und Alt ermöglicht und neue Perspektiven eröffnet:
Beim Düsseldorfer Musikprojekt „Wortklang“ bringt gemeinsames Musizieren Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen. Dabei werden auch kontroverse gesellschaftliche Themen und internationale Konflikte diskutiert. Wichtig sei, verschiedene Sichtweisen auszuhalten, sagt Projektleiterin Uschi Lauterjung: „Alle dürfen ihre Meinung sagen“ – solange demokratische Grundwerte respektiert werden.
In Wien erschaffen kreative Senior*innen aus textilen Nachlässen neue Designs und bringen damit gesellschaftspolitische Themen wie Nachhaltigkeit auf den Laufsteg der Vienna Fashion Week. Damit setzen die Mitglieder eines Pensionist*innen-Clubs auch ein Zeichen gegen Vorurteile, die der älteren Generation pauschal Gleichgültigkeit gegenüber dem Klimaschutz und ein geringes ökologisches Bewusstsein zuschreiben.
Das Magazin steht auf der kubia-Website barrierefrei als Online-Ausgabe zur Verfügung und kann per E-Mail an magazin@kubia.nrw als gedrucktes Heft bestellt werden.
Kompetenzzentrum für Kulturelle Bildung im Alter und inklusive Kultur (Hrsg.) (2026): Haltung zeigen! Kulturelle Demokratiebildung im Alter. Kulturräume+. Das kubia-Magazin, Heft 30/2026. 52 Seiten, ISSN: 2193-6234.