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Solo für ein Körperteil: Auswahlmöglichkeit für Improvisation

von Andrea Marton

Video-Tutorial

Steckbrief

Idee

Durch die Unterscheidung von Bewegung des ganzen Körpers im Raum oder am Platz, in drei Ebenen oder das Bewegen nur einzelner Körperteile entsteht eine individuelle Auswahlmöglichkeit für tänzerische Improvisation je nach Präferenzen und Bewegungsspielräumen der Teilnehmenden. Auf einer Skala von 1 bis 6 in Bezug auf Bewegungsspannung und Bewegungstempo entsteht eine Vielfalt von Bewegungsausdruck, der sich an dem individuellen Empfinden von langsam bis schnell orientiert. Durch Reflexion und Austausch der Teilnehmenden über die unterschiedlichen Rollen als Tanzende, Zuschauende und Gestaltende entsteht eine Diskussion über (Tanz-)Ästhetik jenseits der gewohnten Bewegungsmuster. Trotz der freien Bewegungsimprovisation gibt es eine gemeinsame Struktur für die eigenen Bewegungsfindung und eine gemeinsame Gestaltung.

Ziel

Eigene Bewegungsfindung und Vertiefung der Bewegungs-Generierung in Zeit und Qualität:

  • Reflexion, Entwicklung und Erweiterung der eigenen Bewegungsauswahl
  • Sensibilisierung für ästhetische, gestalterische Prozesse.
  • intensiviertes, leibkörperliches Erleben der eigenen Bewegungs- und Tempi-Muster und Einklammern von eingeschliffenen Wertungsmustern

Bezug zum Thema Alter(n)

Diese Methode bezieht sich nicht nur auf ältere Tänzer*innen, sondern kann generationsübergreifend genutzt werden. Insbesondere bei der Skalierung werden die Tanzenden mit ihren eigenen Bewegungs- und Tempovorlieben konfrontiert. Sie sind eingeladen, diese zu reflektieren und sich in ungewohnte Bewegungen und Tempi vorzuwagen. Gleichzeitig findet jede Person ihre eigene Skala entsprechend der körperlichen Möglichkeiten. Der ganze Prozess ist darauf ausgerichtet, dass in jedem Moment persönliche Entscheidungen die Gruppenimprovisation beeinflussen und bereichern. So wird ein Begegnen jenseits von richtig und falsch möglich.

Voraussetzungen

Die Gruppe muss sich nicht unbedingt vorher kennen. Sie ist vertraut mit zeitgemäßer Bewegungsentwicklung und dem kreativen Prozess durch Improvisationen, und erwartet keine festen Bewegungsabläufe. Die Teilnehmenden sind keine Anfänger*innen.

Zeit

90 Minuten

 Raum

Ein Tanzstudio oder Bewegungsraum mit sauberem Boden – man tanzt gerne barfuß und rollt am Boden und der Möglichkeit zur Wiedergabe von Musik.

Material

Stühle für die Teilnehmenden

Musik

Musik hat einen großen Einfluss auf unsere Bewegungslust, sie beeinflusst stark die Wahl der Bewegungen. Deshalb benutze ich gerne zur Generierung von neuem Bewegungsmaterial Musiken aus dem Minimal Music Spektrum:

  • Indo e Vindo von Divan Gattamorta
  • Komeda von Hania Rani
  • Glissées No 1 von Isang Jung
  • Distance von Rhythm & Sound
  • Immediate Horizon 3 von Alessandro Cortini
  • 7 to 8 von Dirk P. Haubrich

Ablauf

Ankommen im Raum:

  • Beginne mit der Selbstwahrnehmung und einem Bodyscan, dann öffnet sich deine Wahrnehmung für die anderen Teilnehmenden im Raum. Du bewegst dich durch den Raum, vorwärts, rückwärts seitwärts, suchst Zwischenräume. Wechsel der Tempi und Ebenen werden initiiert.
  • Ebenen-Wechsel in verschiedenen Varianten: Erkunde den individuellen Weg von oben nach unten entsprechend den eigenen Möglichkeiten, was nicht zwingend eine Position im Sitzen oder Liegen am Boden ist.
  • Nutze die Wand, um Positionen und Gewicht zu verlagern.

Intensivierung:

Phase 1: Experimentieren mit Ebenen-Wechseln am Platz durch einzelne Körperteile

  • Ein Arm bewegt sich beispielsweise nach oben, auf der mittleren Ebene oder unten am Boden. Experimentiere mit unterschiedlichen Körperteilen. Probiere für dich aus und nimm wahr, wann es dir leicht fällt und wann du an Bewegungsgrenzen stößt. Spiele mit den Grenzen. Ein Ebenen-Wechsel bedeutet nicht zwingend eine Bewegung bis zum Boden und wieder zurück, du kannst auch einen Stuhl nutzen.
  • Weiterentwicklung: Experimentiere mit dem ganzen Körper und nicht mehr nur am Platz, sondern auch in der Fortbewegung.

Phase 2: Solo für ein Körperteil

  • Am Platz: Finde einen Platz im Raum bei freier Wahl der Ebene und bewege nur einen Teil des Körpers (zum Beispiel die Hand, einen Finger, die Gesichtsmuskulatur, das Knie, die Gesäßknochen). Gib, wann immer du dir einen Wechsel wünschst, ein neues Körperteil in die Gruppe. Gestalte so die Bewegungsexploration mit. Die Wechsel sind fluide, es gibt kein festes Timing. Keine Reihenfolge. Gestalte selbst dialogisch den Forschungsprozess. Um die Exploration zu differenzieren, können auch zwei Körperteile genannt werden. So entsteht ein „Gespräch“ zwischen zwei Körperteilen im Sinne einer Frage und einer Antwort.
    Spiele dabei mit Zeitlichkeit: Langsam – schnell – still.
    Spiele dabei mit Kraft: Von wenig Kraft zu viel Kraft.
  • In der Fortbewegung im Raum: Variiere die freie Bewegung im Raum, das Improvisieren auf drei Ebenen und das Bewegen einzelner Körperteile. Du kannst selbst während des Tanzens Einladungen in die Gruppe geben, indem du ein oder zwei Körperteile benennst. Egal welche Ebene gerade bespielt wird, findet der Wechsel vom ganzen Körper auf dieses Körperteil statt.
  • Mit Partner*in: Bewegt euch im dialogischen Format: Wenn sich A bewegt, ist B in Stille und umgekehrt. Führt als Duo ein bewegtes Gespräch mit allen bisher erforschten Bewegungsvariationen. Bezieht euch aufeinander, bleibt aber auch in der Bezogenheit bewusst in der eigenen Bewegung.
  • Teilung der Gruppe in Zuschauende und Gestaltende: Die eine Gruppe der Teilnehmenden beobachtet den Umgang der anderen Duos mit dem Wechsel von Ebenen und Körperteilen – zwischen Bewegung am Platz oder im Raum. Die Zuschauenden sind automatisch in einer ästhetischen Auseinandersetzung zu der Frage: Was ist für mich interessant zu sehen? Wie erfahre ich den Wechsel verschiedener Optionen? Wie entstehen durch Zufall Beziehungen in einer Gruppe in der Schnittmenge einer gemeinsame Improvisationsstruktur? Es entsteht ein Verhandeln ästhetischer Wahrnehmung von Tanz.
  • Im Gruppengespräch werden die ästhetischen Erlebnisse geteilt.

Mögliche Weiterführung

In der nächsten Kurseinheit gehen wir von einer Skala von 1 bis 6 aus in Bezug auf Tempo der Bewegung (von Zeitlupe zu Zeitraffer). Es gelten darüber hinaus die gleichen Parameter wie zuvor: Körper versus Körperteil, Bewegen am Platz und im Raum, auf allen Ebenen.


Video: Hanna Held

Weitere Methoden

oto eines großen, nahezu leeren Ausstellungsraums mit weißen Wänden und einem zweigeteilten Boden: links ein heller, weißer Bereich, rechts dunkle Holzdielen. Im Vordergrund hält eine Hand eine quadratische Spiegel- oder Reflexionsfläche in die Kamera. Darin sind verzerrte Spiegelungen mehrerer Personen sowie geschwungene helle Linien zu sehen. Am oberen Rand der Spiegelung erscheint der spiegelverkehrte Schriftzug „PERFORMANCE“. Links im Raum steht eine Person in weiter dunkler Kleidung nahe einer Türöffnung.
  • Methode

Tanz geht raus, Kunst kommt rein: Tanz und Bildende Kunst

Ausgehend von einem Tanzworkshop in einer Kunst-Ausstellung wurde diese Methode für die Begegnung mit Werken der Bildenden Kunst entwickelt. Eine Methode von Andrea Marton.

Mehrere ältere Männer und Frauen stehen barfuß auf einer Bühne und bewegen sich in unterschiedliche Richtungen. Ein Mann in der Mitte hebt beide Arme und hält ein Bündel Kabel. Andere halten Gestelle mit hängenden Objekten oder tragen große weiße Blöcke. Alle tragen Alltagskleidung.
  • Methode

Sich mit Einschränkungen bewegen: Wesentlichkeit und freiwillige Beschränkung als essenzielle Methode

Das Erleben von Einschränkung stellt eine künstlerische Herausforderung dar. Grundlegend sind regelmäßige Übungen zur Wahrnehmung und Beweglichkeit unserer Körperteile. Eine Methode von Lisa Thomas.

Mehrere ältere Frauen auf einer Bühne: Eine sitzt auf einem weißen Würfel, während eine andere hinter ihr ein braunes Stoffteil über ihren Arm stülpt, während die dritte daran zieht. zieht. Im Hintergrund sitzt eine weitere Person auf einem Würfel.
  • Methode

Tanz mit Hocker: Sinnlichkeit als Basis einer Bewegungssprache für den alten Körper

Der direkte Hautkontakt zu physisch wahrnehmbaren Strukturen und Texturen wie Boden, Wand, Objekte, Kleidung oder Partner*in aktiviert die Sinne. Eine Methode von Lisa Thomas – mit Video-Tutorial.

Eine ältere Frau steht auf einer Bühne und trägt eine jüngere Frau, die ihren Kopf umklammert, auf dem Rücken. Sie hält ein Blatt Papier mit der Aufschrift „belastbar“. Im Hintergrund hängen weitere Zettel, u. a. mit der Aufschrift „nutzlos“. mit einzelnen Wörtern.
  • Methode

WIR – Das Alphabet: Wie bin ich von A bis Z?

Jede*r schreibt ein eigenes Porträt in Form eines Alphabets als Fundament für die (Er-)Findung von Bewegungen. Eine Methode von Silke Z. – mit Video-Tutorial.

Mehrere ältere Menschen stehen im Freien auf einer Straße und strecken beide Arme nach vorn und oben. Ein Mann im Vordergrund trägt ein rotes Langarmshirt. Im Hintergrund sind eine Mauer mit Graffiti, ein Bus und ein vorbeifahrender Radfahrer zu sehen.
  • Methode

Die Schwärmerei: Sichtbar werden in der Öffentlichkeit

Die Gruppe bewegt sich als Ensemble im Gleichklang wie ein Fischschwarm durch den öffentlichen Raum. Eine Methode von Silke Z.

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Porträtfoto von Almuth Fricke in einer gelben Bluse vor einem türkisfarbenen Hintergrund

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