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Sich mit Einschränkungen bewegen: Wesentlichkeit und freiwillige Beschränkung als essenzielle Methode

von Lisa Thomas

Steckbrief

Idee

Im tanzkünstlerischen Arbeiten ist der Fokus auf Wesentlichkeit und freiwillige Beschränkung eine essenzielle Methode. Das Erleben von Einschränkungen stellt eine künstlerische Herausforderung dar, die unsere Wahrnehmung verändert. Regelmäßige Übungen zur sinnlichen Wahrnehmung und Beweglichkeit der verschiedenen Körperteile sind daher grundlegend: Jedes Körperteil, eingeschlossen unsere Haut, Knochen und Muskeln werden für das Fühlen und Bewegen genutzt, damit ein selbstverständlicher, persönlicher Genuss der Beweglichkeit spürbar wird.

Ziel

Die Teilnehmenden werden als Recherchierende und Komponierende angesprochen, die Entscheidungen treffen zu Richtungen, Tempo, Kreisen, Linien, Dynamik, um so über viele Jahre eingeübte Bewegungsroutinen zu verlassen.

Bezug zum Thema Alter(n)

In Alterungsprozessen erleben wir körperliche Einschränkung zuallererst defizitär. Viele Bewegungen und körperliche Aktionen werden kleiner und weniger. Über die tanzkünstlerische Arbeit kann die Einschränkung bewusst als neue Dimension wahrgenommen werden. Wenn die*der alte Tänzer*in gezielt mit ihrer*seiner Einschränkung experimentiert und neue und andere Bewegungsentscheidungen trifft, entsteht Kunst. Aus diesem neuen Repertoire kann sich eine neue Ästhetik und ein persönlicher Stil entwickeln.

Zeit

2 bis 3 Einheiten à 90 Minuten


Ablauf

1. Warm-up im Kreis und bewusstes Wahrnehmen von Einschränkungen

  • Lockernde Übungen mit Schütteln aller Gliedmaßen und Mobilisierung aller Gelenke über sanfte kreisende Bewegungen
  • Den Körper als Gesamtes in Bewegung wahrnehmen
  • Körperteile bewusst isolieren und getrennt vom Körper aktivieren
  • Sich im Kreis gegenseitig beim Üben Blicke zuwerfen.

2. Im Stand – „Handauswärts

  • Stecke eine Hand in die Hosentasche. Bewege am freien Arm zuerst die Finger, das Handgelenk, die ganze Hand, nehme den Ellbogen hinzu, die Schulter, in welche Räume kannst du greifen, ohne dass der Rumpf sich mit bewegt. Entwickle mehr Neugier und Lust auf den Raum. Wie ist das Echo im Körper, was bewegt sich mit im Oberkörper, wenn du das Körperzentrum hinzunimmst, wenn du die Beine hinzunimmst? Dann Seitenwechsel, eventuell noch eine Variante ohne Beine im Sitzen oder Liegen.

3. Im Stand – „Fußaufwärts“:

  • Wähle ein Standbein, knete und aktiviere den freien Fuß mit Hilfe des Bodens, nimm das Knie hinzu, die Hüfte (einseitig!), das Schulterblatt, den Ellbogen, das Handgelenk, die Finger, das entsprechende Ohr und Auge. Aktiviere die gesamte Hälfte des Körpers bewusst, die andere Hälfte geht passiv mit, die Augen sind geschlossen, spüre nach und vergleiche die Körperhälften, dann Seitenwechsel (auch als Variante auf einem Hocker oder im Liegen möglich).

4. Vom Stand in den Raum

  • Das Standbein wird über die Fußsohle am Boden fixiert. Das Spielbein erkundet Räume, Entfernungen und Haltungen. Es kann sich lösen und in die Fortbewegung kommen, in verschiedene Richtungen gehen, laufen oder frei tanzen, wieder innehalten, dann anderes Standbein.

Plane bei Vorgabe einer Bewegungseinschränkung immer eine kurze Zeit des Innehaltens und Atmens ein, um die Teilnehmenden in einem kurzen „Bodyscan“ erspüren zu lassen, von welcher Körperregion aus die Bewegung starten kann. Außerdem ist es hilfreich, eine Referenz zu den „mini-choreografischen“ Strukturen von Raum/Richtung, Linien/Kreise, groß/klein zu geben (vgl. Methode „Tanz mit Hocker“). Auf diese Weise entsteht eine innere Handhabung von Tanz auf kleinstem Raum.


Mögliche Weiterführung

Bewusste Improvisationsaufgaben zum Thema Einschränkung

  1. In zwei Minuten langsam am Platz vom Stand zum Boden ins Liegen kommen, den Körper vielseitig nutzen, ohne nach oben zurückzukehren. zwei- bis dreimal wiederholen, damit immer mehr Ideen und Lösungen sichtbar werden. Sich gegenseitig inspirieren: Dem anderen in Partnerarbeit zuschauen und positives Feedback geben zu interessantem Bewegungsmaterial.
  2. Eine Hand am Boden fixieren und Bewegungsmöglichkeiten, -räume und Körperhaltungen solistisch explorieren. Die mentalen Haltungen wechseln, die Auseinandersetzung mit der Einschränkung als Widerstand/innerer Kampf oder als Akzeptanz und lustvolles Wahrnehmen und Genießen all dessen, was möglich ist.
  3. Eine Handinnenfläche an der Wand fixieren und Bewegungsmöglichkeiten, -räume und Körperhaltungen solistisch explorieren.
  4. Als Weiterführung eignet sich eine Kombination von räumlicher Veränderung an der Wand (höher/tiefer, über Kopf, Schulterhöhe, Bauchhöhe …) und einem Wechsel der Kontaktfläche der Hand (Handfläche, Handrücken, Kanten, Fingerspitzen, Rist).
  5. Material für ein Duett umsetzen: Person 1 schränkt Person 2 in ihren Bewegungsmöglichkeiten ein. Person 2 arbeitet bewusst mit der Idee eines freien Fixpunktes im Raum oder der Idee von Halt, räumlicher Orientierung und kreativer Herausforderung (nicht auf der emotionalen Ebene: es schränkt mich jemand ein). Probiere verschiedene Lösungen aus und tauscht euch nach Rollenwechsel darüber aus, was funktioniert, wie Klarheit entsteht, an welchen Körperteilen es gut funktioniert, an welchen Stellen es nicht erwünscht ist… Fließender Rollenwechsel.

Weitere Methoden

Andrea Marton mit vier Frauen im Tanzlabor Ü60
  • Methode

Solo für ein Körperteil: Auswahlmöglichkeit für Improvisation

Mit dieser Methode entstehen individuelle Ausdrucksmöglichkeiten für tänzerische Improvisation je nach Präferenzen und Bewegungsspielräumen der Teilnehmenden. Eine Methode von Andrea Marton – mit Video-Tutorial.

oto eines großen, nahezu leeren Ausstellungsraums mit weißen Wänden und einem zweigeteilten Boden: links ein heller, weißer Bereich, rechts dunkle Holzdielen. Im Vordergrund hält eine Hand eine quadratische Spiegel- oder Reflexionsfläche in die Kamera. Darin sind verzerrte Spiegelungen mehrerer Personen sowie geschwungene helle Linien zu sehen. Am oberen Rand der Spiegelung erscheint der spiegelverkehrte Schriftzug „PERFORMANCE“. Links im Raum steht eine Person in weiter dunkler Kleidung nahe einer Türöffnung.
  • Methode

Tanz geht raus, Kunst kommt rein: Tanz und Bildende Kunst

Ausgehend von einem Tanzworkshop in einer Kunst-Ausstellung wurde diese Methode für die Begegnung mit Werken der Bildenden Kunst entwickelt. Eine Methode von Andrea Marton.

Mehrere ältere Frauen auf einer Bühne: Eine sitzt auf einem weißen Würfel, während eine andere hinter ihr ein braunes Stoffteil über ihren Arm stülpt, während die dritte daran zieht. zieht. Im Hintergrund sitzt eine weitere Person auf einem Würfel.
  • Methode

Tanz mit Hocker: Sinnlichkeit als Basis einer Bewegungssprache für den alten Körper

Der direkte Hautkontakt zu physisch wahrnehmbaren Strukturen und Texturen wie Boden, Wand, Objekte, Kleidung oder Partner*in aktiviert die Sinne. Eine Methode von Lisa Thomas – mit Video-Tutorial.

Eine ältere Frau steht auf einer Bühne und trägt eine jüngere Frau, die ihren Kopf umklammert, auf dem Rücken. Sie hält ein Blatt Papier mit der Aufschrift „belastbar“. Im Hintergrund hängen weitere Zettel, u. a. mit der Aufschrift „nutzlos“. mit einzelnen Wörtern.
  • Methode

WIR – Das Alphabet: Wie bin ich von A bis Z?

Jede*r schreibt ein eigenes Porträt in Form eines Alphabets als Fundament für die (Er-)Findung von Bewegungen. Eine Methode von Silke Z. – mit Video-Tutorial.

Mehrere ältere Menschen stehen im Freien auf einer Straße und strecken beide Arme nach vorn und oben. Ein Mann im Vordergrund trägt ein rotes Langarmshirt. Im Hintergrund sind eine Mauer mit Graffiti, ein Bus und ein vorbeifahrender Radfahrer zu sehen.
  • Methode

Die Schwärmerei: Sichtbar werden in der Öffentlichkeit

Die Gruppe bewegt sich als Ensemble im Gleichklang wie ein Fischschwarm durch den öffentlichen Raum. Eine Methode von Silke Z.

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Porträtfoto von Almuth Fricke in einer gelben Bluse vor einem türkisfarbenen Hintergrund

Almuth Fricke

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Porträt von Miriam Haller

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